Bauer unser – „Wachse oder weiche“ (Filmtipp)

Der österreichische Film „Bauer unser“ ist die neue Dokumentation von Robert Schabus, dem Produzenten von „We feed the World“ und „More than Honey“. Sie wirft einen Blick auf die moderne Agrarindustrie, die sich weit entfernt hat von der bäuerlichen Landwirtschaft.

„Wachse oder weiche“ war jahrzehntelang ein Leitspruch in der österreichischen Landwirtschaft. 1970 sorgte ein Bauer in Österreich für die Ernährung von 12 Menschen. Heute sind es 80 – in Deutschland sogar 145. Unzählige Bauern haben kapituliert oder wirtschaften nur noch im Nebenerwerb und gehen anderen Brotberufen nach. Wer sich behaupten will, muss wachsen, sich spezialisieren, investieren – fernab einstiger Selbstbestimmung. Ein stolzer Stand muss sich beugen vor Zwängen und Abhängigkeiten und nicht zuletzt vor der offiziellen EU-Politik. Wieviel Landwirt bleibt übrig, wenn man seine Tiere mit billigem südamerikanischem Soja füttert, statt dem Ertrag des eigenen Landes?

Soja Ernte

Effizient ist unser Agrarsystem trotzdem nicht: 40 Prozent der weltweit in der Landwirtschaft produzierten Kalorien werden verschwendet oder vernichtet. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ließen sich weltweit 12 Milliarden Menschen ernähren. Und das ohne radikale Umstellungen sondern einfach nur durch eine nachhaltigere Verteilung und Nutzung der Nahrungsmittel.

Zu Wort kommen die unterschiedlichsten Bauern:

  • Friedrich Grojer, ein Milchbauer aus dem Görschitztal, der nach Millioneninvestitionen in den elterlichen Hof mit 130 Kühen fast 4000 Liter Milch am Tag produziert.
  • Ewald Grünzweil, ein Biobauer aus dem Mühlviertel, der seine 40 Milchkühe im Grünlandbetrieb hält.
  • Martin Suette, Schweinezüchter aus dem Gurktal, hält in seinem automatisierten Stall 1500 Schweine. Ohne brasilianisches Mastfutter und zeitweise Verluste, könnte er den Preisverfall beim Schweinefleisch nicht überleben.
  • Franz Tatschl aus dem Lavanttal hält 65000 Legehühner, die täglich 55000 Eier legen. Er stellt sich dem Preisverfall mit hoher Stückzahl und gezielter Steuerung der Betriebsparameter auf höchstmögliche Wirtschaftlichkeit.
  • Dann gibt es da aber auch noch Simon Vetter der im Rheintal eine Vielfalt an Gemüse anbaut und diverse veredelte Produkte wie Dinkelwodka anbietet. Sein Erfolg beruht auf dem persönlichen Kontakt mit seinen Kunden, die die ausgefallenen Spezialitäten aus der Direktvermarktung schätzen. Landwirtschaftsförderung sieht er als Innovationshindernis.
  • Biobäuerin Maria Vogt aus dem Weinviertel versucht mit besonderen Produkten (Wein, Gemüse, Schaffleisch) möglichst krisenfest und vor allem unabhängig von Banken zu sein. Sie ist stolz darauf, dass es auch anders geht und ihre Schafe geniessen es noch von Hand gemolken zu werden.

Neben den Bauern kommen aber auch konventionelle Agraringenieure, EU-Politiker und Lobbyisten zu Wort.

Was bleibt nach dem Film „Bauer unser“ ist die Gewissheit, dass es so nicht weitergehen kann. Und ein Blick auf unsere Lebensmittel und die Menschen, die sie herstellen, der Lust macht, Obst und Gemüse wieder direkt beim Bauern am Hof zu kaufen…

… oder innovative, alternative Möglichkeiten in Betracht zu ziehen:

Der österreichische Kinostart war am 11. November 16 und „Bauer unser“ wurde mit 72.000 Besuchern der zweiterfolgreichste Kinofilm des Jahres 2016. Der Kinostart für Deutschland ist am 23. März 2017. In der Schweiz geht es am 11. Mai 2017 los (Trailer).

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