Kunsttherapie – Malen mit Aquarellfarben

Kunsttherapie - nass in nass
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Vorüberlegungen zur Kunsttherapie

Kunsttherapie bringt den Menschen auf verschiedenen Ebenen mit sich selbst in Kontakt. Die sinnliche Komponente erlebt der Gestaltende z.B. mit Ton in den Händen, den er als kalt, weich, fest, spröde, lustvoll, ekelhaft, glitschig, seidig empfinden kann. Farben können als warm oder kalt, zart oder grell, belebend oder beruhigend, schön oder hässlich wahrgenommen werden. Das Erfahren mit allen Sinnen löst Reaktionen aus, die den Gestaltenden mit sich selbst konfrontieren.

So wird vielleicht ein Stein als hart und unnachgiebig empfunden, was bei manchem Wut auslösen kann, bei anderen ein Gefühl von Sicherheit. Körperliche Reaktionen folgen, die Muskelspannung mag sich verändern, die Atmung, der Herzschlag. Erinnerungen und Gedanken die mit dem Gefühl verbunden werden können auftauchen. Es entsteht eine innere Bewegtheit, die durch die Gestaltung wieder ihren Ausdruck findet.

Kunsttherapie - Lehm

 

So kann aus einem weichen, warmen Stück Ton das Gefühl der Geborgenheit entstehen: Die Hände formen eine Höhle. Erinnerungen an Situationen, in denen man sich geborgen fühlte tauchen auf. Der Gestaltende modelliert eine Figur und setzt sie in die Geborgenheit der Höhle. Während er sich selbst jedoch in die Höhle hineinversetzt, merkt er, dass er sich eingeengt fühlt. Im weiteren Gestaltungsprozess wird die Höhle zu einer Schale erweitert. Diese vereint die Geborgenheit und die Möglichkeit nach Freiheit und Raum.

Kunsttherapie - Schale

So wird der künstlerische Prozess zu einem bildlichen Probehandeln, um einen Kompromiss zwischen den widerstreitenden Kräften zu finden. Unbewusste Impulse, Wünsche und Sehnsüchte werden bewusst und damit zugänglich gemacht und integriert. Lösungen können gefunden, Ressourcen entdeckt, die Selbst- und Fremdwahrnehmung verbessert werden.

Übung Nass-in-Nass Malen

Wasser und Farbe entwickeln im Zusammenspiel Bewegungen und Formen ohne Grenzen. Dies ist eine wunderbare Übung zum Träumen und Fließen lassen.

Material:

  • Wasser- oder Aquarellfarben
  • dickes, saugfähiges eventuell grob gekörntes Papier (Aquarellpapier)
  • eine Wanne oder ein großes Waschbecken, in dem man das Papier einweichen kann
  • verschiedene Haar- und Borstenpinsel
  • nicht saugende Malunterlage zum Schutz des Arbeitstisches (z.B. ein Stück Plastiktischdecke)

 

Kunsttherapie - Malkasten

Verlauf:

Das Aquarellpapier wird einige Minuten in Wasser eingeweicht. Dann hebt man es hoch und lässt es abtropfen. Dann auf der Malunterlage platzieren.

Nun kann mit dem Malen begonnen werden. Man tupft, streicht, kleckst mit verschiedenen Pinseln auf dem feuchten Untergrund. Es entstehen immer wieder neue Formen und Farbbewegungen. Farben können ineinander laufen und sich vermischen.

Kunsttherapie - Farbverlauf

 

Wenn Sie zufrieden sind mit dem Ergebnis, lassen Sie ihr Werk trocknen. Wenn Sie möchten geben Sie ihm einen Titel und reflektieren Sie schriftlich, was Ihnen beim Malen durch den Kopf gegangen ist, welche Gefühle aufgetaucht sind – dadurch wird das Erlebnis noch intensiver. Malen Sie mit Ihrem Partner oder mit Freunden und tauschen Sie sich im Anschluss daran aus. Sie werden überrascht sein, wie viel neue Facetten sich über das Medium der kreativen Gestaltung an Menschen, die Sie kennen, finden lassen.

Vielleicht möchten Sie regelmäßig malen und so eine Art Tagebuch in Form einer Bildmappe führen. Oder es findet ein besonders inspirierendes Bild den Weg an die Wand über Ihrem Schreibtisch. Kleinformatige Nass-in-Nass Malereien sind auch ganz außergewöhnliche Grußkarten.

Kunsttherapie - malen

Wenn die Scheu groß ist, sich ans erste spielerische Malen heranzuwagen, begleiten wir Sie gerne. Wir bieten Kunsttherapie in Einzelsitzungen und als Gruppenabende an.

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