Der Stand der Dinge

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Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte mussten wir das Leben auf unserem Planeten grundsätzlich in Frage stellen. Nie zuvor bestand die Gefahr, dass wir mit bedenkenlosem Einsatz wissenschaftlicher Erkenntnisse und technologischer Errungenschaften die Erde zu einem unwirtlichen Ort machen. Weltweit sind wir heute mit Problemen wie Überbevölkerung, Klimawandel, Hunger, Armut, Umweltverschmutzung und Ressourcenknappheit konfrontiert. Persönlich kämpfen wir mit Beziehungsproblemen, Zivilisationskrankheiten, chronischer Unzufriedenheit und dem Fehlen echter Lebensfreude. Die aktuelle Pandemie scheint der Gipfel des Ganzen zu sein. Es scheint als würden wir im Hamsterrad laufen und dem allem machtlos gegenüberstehen.

Bild von Sergei Tokmakov, Esq. auf Pixabay

In den letzten zwanzig Jahren hat es einen wahren Boom der guten Ratschläge gegeben. Zeitschriften, Bücher, CDs, Videos und DVDs enthalten ein wahres Füllhorn an Tipps, Methoden und Techniken wie wir in allen möglichen Lebensbereichen noch erfolgreicher und besser werden können, wie wir noch mehr erreichen können.

Für die Figur, für die Karriere, für die Gesundheit, für das Sexualleben, für den Umgang mit den Kindern, mit dem Partner, mit der Katze und dem Hund gibt es unzählige Anleitungen. Einige davon finden sich wahrscheinlich auch in Ihrem Bücherschrank. Meiner jedenfalls ist voll davon. Darin sind die Weisheiten des Ostens wie des Westens, die längst vergangener Zeiten ebenso wie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, einfache Patentrezepte wie komplexe, kaum lesbare Theorien, Esoterisches wie Exoterisches zu finden.

Und das ist gut so – denn ein guter Teil dieser Publikationen ist klug durchdacht, in sich schlüssig und die darin vorgeschlagenen Strategien funktionieren! wenn – ich betone – wenn sie angewendet werden.

Aber das ist – wie wir wohl alle wissen – leider nicht immer der Fall. Das mit dem Abnehmen funktioniert halt doch nicht so gut, weil wir trotz guter Vorsätze nicht aus dem Sofa hochkommen, die Pizzawerbung im Abendprogramm uns an den Kühlschrank lockt, am Wochenende ja die Party bei den Maiers ist. 

Wider besseres Wissen kaufen wir Lebensmittel, die fernab jeder Ökologie hergestellt werden. Und das während mehr als eine Milliarde Menschen hungert.

Wir fahren mit dem Auto statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad und tragen so zur Verpestung der Luft und der Verknappung der Rohstoffe bei. Dass an diesem Öl das Blut klebt, das in den Kriegen vergossen wird, die wir im Moment allabendlich in den Hauptnachrichten verfolgen können, verdrängen wir lieber.

Durch unser Konsumverhalten sorgen wir dafür, dass die 360 Dollarmilliardäre, die so reich sind wie die ärmsten 2,5 Milliarden Menschen zusammen, auch weiter scheffeln können. Eine jährliche Abgabe von 1% des Reichtums dieser Milliardäre könnte die Armen unserer Welt mit Trinkwasser und Schulen versorgen. Stattdessen werden Menschen aus den Billiglohnländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa ausgebeutet. Zwangs- und Kinderarbeit sind an der Tagesordnung. Menschen und Lebensräume werden vergiftet, Regierungen erpresst, Krisen und bewaffnete Konflikte werden ungeniert ausgenützt oder sogar inszeniert und finanziert.  Beliebte Markenfirmen tolerieren Folter, Sklaverei, unerlaubte Medikamentenversuche, Diskriminierung, Tierquälerei, Umweltzerstörung oder die Verfolgung von Gewerkschaftern und Kritikern.

Bild von Elmer Geissler auf Pixabay

In einer Welt der Gegensätze scheinen wir uns ständig entscheiden zu müssen, zwischen einem ICH und einem DU. Entweder geht es mir gut oder Dir. Entweder geht es den Arbeitern gut oder den Unternehmern. Entweder geht es den Kunden gut oder den Händlern. Entweder es geht den Krankenkassen gut oder den Versicherten.  Kinder kämpfen gegen die verständnislosen Erwachsenen, Erwachsene verstehen die Jugend von heute nicht mehr und kämpfen, um sie unter Kontrolle zu halten.

Bild von Tumisu auf Pixabay

Die Lebenswerkstatt soll die Brücke spannen, die diese entgegengesetzten Pole trennt. Und diese Brücke ist das WIR. Ein Unternehmer, der seine Mitarbeiter auspresst, muss sich nicht wundern, wenn auch diese rechnen und jede sich bietende Gelegenheit wahrnehmen sich vom Arzt krankschreiben zu lassen, Ihre Arbeitszeit mit möglichst wenig Anstrengung hinter sich bringen und Geld oder Waren abzweigen. Mitarbeiter die sich so verhalten, müssen sich aber auch nicht wundern, wenn ihr Chef sich dagegen zu schützen versucht.

Es geht auch anders: Ich hatte das Glück einmal in einem Betrieb zu arbeiten, in der der Chef nicht kontrollierte, wer wann wie lange arbeitete und auch niemand auf die Uhr sah, wie lange er schon gearbeitet hatte. Jeder kannte die Ziele des Unternehmens, und diese waren in Übereinstimmung mit den persönlichen Werten der Mitarbeiter. Dadurch konnte jeder einzelne hinter der Arbeit stehen, die er tat. Es war ein Team, dass sich gegenseitig vertraute und wertschätzte. Alle waren gut informiert über aktuelle Projekte. Durch dauernden Austausch wurden Ideen und Vorschläge unmittelbar umgesetzt. Jeder war ein gefragter Experte auf seinem Gebiet – von der Reinigungskraft bis zur Projektleitung.

Bild von StockSnap auf Pixabay

Der Job machte mehr Spaß als jedes Hobby, das man als Augleich zu der ungeliebten Arbeit braucht. Ich war energiegeladen wie nie zuvor, erledigte den Haushalt in Rekordzeit, freute mich auf meine Familie, die mich zwar nicht mehr so lange, dafür aber intensiv hatte und warf in kurzer Zeit ohne Diät die paar Kilo ab, die mich jahrelang genervt hatten.

Der Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit ist das zu tun, was man wirklich will. Glücklich sind wir, wenn wir die Zeit vergessen, wenn uns Lebensfreude erfüllt, wenn das Herz vor Liebe zu zerspringen droht und wir die Welt umarmen könnten. Glück ist ansteckend. Lassen Sie mich das beweisen (Fortsetzung im nächsten Artikel).

Bild von Pexels auf Pixabay

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