Wir schreiben Geschichte: Die Analysen

Eigentlich war dieses Projekt in kleinem Stil gedacht: Interviews, die live im Dialog in Lochau stattfinden, um der Spaltung der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, um zu verstehen und gemeinsam Lehren aus der Zeit der Pandemie zu ziehen.

In zweierlei Hinsicht ist das nicht ganz gelungen: Einerseits hatten wir gehofft, dass sich sowohl Maßnahmenkritiker als auch -befürworter zu Wort melden, bestenfalls in ausgewogenem Verhältnis. Auf Bitten hin, kam meistens keine oder eine ausweichende Antwort oder wenige patzige Bemerkungen im Sinne von, man solle doch endlich vergessen und ruhen lassen. Insofern stellen diese Interviews, zumindest zu diesem Zeitpunkt, keinen repräsentativen Ausschnitt aus der Bevölkerung dar, sondern einen sehr speziellen, dem eine Aufarbeitung sowohl im persönlichen Sinne als auch im gesellschaftlichen ein Anliegen ist.

Zum anderen hat das Projekt Ausmaße angenommen, die mit Live Interviews gar nicht mehr zu bewältigen waren, weshalb wir ein Onlineformular zur Verfügung gestellt haben, mit dem die Beiträge effizienter erfasst werden konnten.

An dieser Stelle möchte ich mich auch bedanken für die vielen und vielfältigen Zuschriften von Leuten, die sich Gedanken zum Projekt gemacht haben, Feedback gegeben haben und die andere ermutigt haben mitzumachen.

Manche haben sich tagelang mit den Fragen beschäftigt und die Antworten immer wieder verändert, während sich auch ihre Sichtweise gewandelt hat. Auch das Lesen der so unterschiedlichen Berichte hat bei vielen einen Prozess der Reflexion in Gang gesetzt.

Worauf nun viele schon mit Spannung warten, ist die Auswertung der Interviews. Denn auch wenn die Erinnerungen eines Zeitzeugen immer subjektiv sind und nur einen Teil von Wirklichkeit wiedergeben, so lassen sich doch aus der Analyse vieler Interviews Schlüsse ziehen, die von lebenspraktischer Bedeutung sind.

Um möglichst offenzubleiben für eine Vielfalt von Erkenntnissen, wurden nicht vorab Kategorien festgelegt, um dann in diesen Schubladenschrank die Antworten einzuordnen. Dies hätte bedeutet, dass möglicherweise Aspekte nicht erfasst werden, die bislang einfach noch nie aufgetaucht sind. Stattdessen bot sich eine Clusteranalyse an, also ein Verfahren zur Entdeckung von Ähnlichkeitsstrukturen in Datenbeständen. Die Analyse wird sich über eine ganze Weile erstrecken und in Form von Zwischenauswertungen erfolgen, die jeweils eine Frage mit einer bestimmten Anzahl an Datensätzen umfasst. Es gibt also keine statischen Ergebnisse, sondern sie vertiefen sich im Laufe der Zeit.

Zu jedem Konstrukt wird es auch eine kurze theoretische Einführung geben, sowie das Andenken von Möglichkeiten, was man tun kann, um für zukünftige Krisensituationen besser gewappnet zu sein.

Was manche vermissen werden: Tabellen, Grafiken, ellenlange Literaturverzeichnisse … Dieses Projekt erhebt keinen Anspruch darauf, in einer Fachzeitschrift publiziert zu werden. Vielmehr soll es lesbar und nachvollziehbar für jedermann sein und aus dem Leben heraus praktische Hilfe in Form von Denkanstößen und Ideen bieten. Dieses Ziel ist leider in der gängigen Wissenschaft rar geworden.

Zu guter Letzt gilt mein Dank noch den Kolleginnen der Plattform Psychische Gesundheit, die ihre Hilfe bei der Umsetzung dieses Projektes angeboten haben.

Doch nun genug der einführenden Worte. Die Teilanalysen werden laufend hier veröffentlicht: