Persönliche Einstellungen: Frage #4.4

Dieser Abschnitt umfasst Antworten, die sich auf persönliche Einstellungen und individuelle Eigenschaften wie Optimismus, Selbstvertrauen, Intuition und innere Stabilität beziehen.

Optimismus

Optimismus stärkt die mentale Widerstandsfähigkeit und hilft dabei, schwierige Situationen besser zu bewältigen. Indem wir eine positive Einstellung bewahren und an unsere Fähigkeit glauben, Herausforderungen gewachsen zu sein, können wir unsere Resilienz stärken und uns schneller von Rückschlägen erholen.

Das fördert eine lösungsorientierte Denkweise. Statt sich ausschließlich auf die Probleme und Hindernisse zu konzentrieren, suchen optimistisch eingestellte Menschen nach Möglichkeiten und potenziellen Lösungen, um Hindernisse zu überwinden.

Positive Emotionen wie Hoffnung, Zuversicht und Freude verstärken sich und helfen dabei, den Stress, der mit Krisen einhergeht, zu reduzieren. Das hilft, die allgemeine emotionale Gesundheit zu verbessern sowie die Stimmung und das Wohlbefinden steigern.

Wenn wir optimistisch sind, glauben wir daran, dass unsere Handlungen einen positiven Einfluss haben können. Die Bereitschaft steigt, aktiv zu werden und nach Lösungen zu suchen. Das gibt einen Motivationsschub und lässt die Energie und den Antrieb finden, Hindernisse zu überwinden und sich auf positive Veränderungen zu konzentrieren.

Optimisten stecken andere an und inspirieren. Dadurch wird auch der Aufbau eines sozialen Netzwerkes gefördert, der es erleichtert, gemeinsam durch schwierige Zeiten zu gehen.

So segensreich Optimismus ist, im Übermaß kann er besonders in Krisenzeiten zur potenziellen Gefahr werden. Etwa durch eine Verharmlosung der Realität, die zu unklugen Entscheidungen führen kann, durch Fehleinschätzungen, einer überbordenden Risikobereitschaft, der Tendenz Probleme zu bagatellisieren und damit notwendige Schritte aufzuschieben. Aber auch durch Enttäuschung, wenn sich die Realität nicht mit den überhöhten Erwartungen und Hoffnungen deckt. Das kann zu Frustration, Resignation und einem Einbruch des Selbstvertrauens führen.

Es ist also wichtig, einen ausgewogenen Ansatz zu verfolgen und sowohl Optimismus als auch Realismus miteinander zu kombinieren. Optimistisch bleiben, aber auch die Realität anerkennen, Risiken angemessen einschätzen und aufmerksam bleiben. Eine kritische Denkweise und das Abwägen von Informationen sind entscheidend für kluge Entscheidungen in Krisenzeiten.

Optimismus fördern

Wie lässt sich ein gesundes Maß an Optimismus fördern? Eine positive Einstellung muss man kultivieren. Lenkt man seine Aufmerksamkeit immer wieder auf positive Erlebnisse – in der Vergangenheit, in der Gegenwart, werden sich auch die Denkmuster der Zukunftserwartung verändern. Auch hier ist therapeutisches Schreiben eine hervorragende Methode. Etwa in Form eines Dankbarkeitstagebuches oder biografischem Schreiben, das sich der Selbstreflexion widmet, und dokumentiert, wie man bereits schwierige Situationen bewältigt hat und persönlich daran gewachsen ist.

Der Umgang mit optimistischen Menschen steckt an. Ebenso wie der mit notorischen Miesepetern und Schwarzsehern. Erfolge wollen gefeiert werden! Ziele, die erreicht wurden und deren Erreichen entsprechend gewürdigt wurde, tragen zu einer positiveren Lebenseinstellung bei. Und nicht zuletzt helfen Meditation und Achtsamkeitspraktiken dabei, den Geist zu beruhigen, negative Gedanken loszulassen und eine gelassene Haltung zu entwickeln.

Selbstvertrauen

Selbstvertrauen stärkt die Widerstandsfähigkeit und gibt die nötige Stärke und den Glauben daran, dass man Rückschläge überwinden kann. Es hilft, bessere Entscheidungen zu treffen und den eingeschlagenen Weg selbstbewusst zu verfolgen.

Wer an sich selbst glaubt, ist eher bereit, Schritte zu unternehmen und aktiv nach Lösungen zu suchen. Selbstvertrauen macht Mut, aus der Komfortzone herauszutreten, Risiken einzugehen und Hindernisse zu überwinden.

Wenn man weniger anfällig ist für Selbstzweifel und negative Gedanken, kann man besser mit Stress umgehen und ist mental belastbarer.

Das Bewusstsein um die eigenen Stärken strahlt aber auch nach außen. Dadurch, dass man zeigt, dass man in schwierigen Zeiten standhaft bleibt und Herausforderungen mit Zuversicht und Entschlossenheit entgegengeht, kann man andere inspirieren und motivieren.

Selbstvertrauen fördern

Was kann man tun, um das Selbstvertrauen zu stärken?

Da ist natürlich ein individueller Prozess, der Zeit und Geduld erfordert. Sich neuen Herausforderungen zu stellen und laufend an sich zu arbeiten, ist erforderlich, um zu wachsen. Eine gute Methode der Selbstreflexion ist es, seine inneren Dialoge zu beobachten und nagende Zweifel und destruktive Kritik nach und nach durch positive Selbstgespräche zu ersetzen. Dazu gehört es auch aus Fehlern zu lernen. Innere Dialoge kann man besonders gut mit therapeutischem Schreiben verändern. Generell ist es wichtig, sowohl für sich selbst gut zu sorgen, als auch eine unterstützende, fördernde Umgebung zu schaffen.

Intuition

Manchmal haben wir unbewusst Zugang zu Informationen und Erfahrungen, die uns bei der Entscheidungsfindung helfen können. Wenn wir auf unsere innere Stimme und unser Bauchgefühl hören, können wir schneller handeln und Entscheidungen treffen, die für uns stimmig sind. Das öffnet für neue Perspektiven und schenkt unerwartete Gelegenheiten, die nie in Betracht gezogen wurden.

Indem man sich auf seine innere Weisheit besinnt, kann man sein Selbstverständnis erweitern, seine Werte überdenken und eine klarere Vorstellung davon entwickeln, was wichtig ist.

Durch das bewusste Zuhören auf unsere innere Stimme können wir uns daran erinnern, dass wir die Fähigkeit haben, mit Krisen umzugehen und Herausforderungen zu bewältigen. So stärkt Intuition auch unser Selbstvertrauen.

In Krisenzeiten, in denen sich eine Situation schnell ändern kann, gibt das Achten auf subtile Signale und Hinweise in der Umgebung die nötige Flexibilität, um sich rasch anzupassen.

Auch hier ist es wichtig, sich nicht ausschließlich auf dieses Kriterium für Entscheidungen zu verlassen, sondern Verstand und Gefühl miteinander zu kombinieren. Denn so wertvoll die Intuition sein kann, auch sie hat ihre Fallstricke.

So kann sie manchmal von Vorurteilen beeinflusst oder emotional verzerrt sein, weil wir gerade von Angst oder Euphorie überwältigt sind. Intuition ist etwas Individuelles und basiert auf unseren persönlichen Erfahrungen und unserem Wissen. Sind diese in bestimmten Bereichen nicht ausreichend, kann diese Entscheidungsinstanz alleine unzuverlässig sein. Eine Überschätzung der eigenen Intuition kann besonders in komplexen Situationen zu Fehlern führen. Sinnvollerweise nutzt man also alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für bessere und fundierte Entscheidungen.

Innere Stabilität

Innere Stabilität ist essenziell, um gut durch Krisenzeiten zu kommen. Hier sind einige Möglichkeiten, wie man innere Stabilität entwickeln kann:

Selbstfürsorge meint gut auf sich selbst zu achten. Das bedeutet, dass man für ausreichende Erholung sorgt, gesunde Gewohnheiten pflegt (wie ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf) und sich Zeit für Entspannung und Psychohygiene nimmt, als Grundlage für physische und emotionale Widerstandsfähigkeit.

Wenn starke Emotionen wie Angst, Unsicherheit und Stress auftreten, braucht man Techniken, um mit diesen Gefühlen umzugehen. Dazu gehören beispielsweise Atemübungen, Meditation, das Aufschreiben von Gedanken und Emotionen oder das Gespräch mit vertrauten Personen. Die bewusste Arbeit an der emotionalen Regulation gibt Halt.

Innere Stabilität kann durch die Fähigkeit entwickelt werden, Veränderungen zu akzeptieren und sich anzupassen. Dies bedeutet, sich auf das zu konzentrieren, was man kontrollieren kann, flexibel zu bleiben und sich auf Lösungen zu fokussieren, anstatt sich ausschließlich mit Negativem zu beschäftigen.

Soziale Unterstützung fördert ebenso die innere Stabilität wie auch sich mit seinen Werten und Zielen auseinanderzusetzen und den Sinn im Leben zu suchen (siehe Spiritualität).


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Information und Aufklärung: Frage #4.3

Information und Aufklärung spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Krisen. Sie bieten Fakten, Daten und Erklärungen, die dabei helfen, die Situation zu verstehen, einschließlich der Ursachen, Auswirkungen und möglichen Lösungen. Das befähigt dazu, selbständige Entscheidungen zu treffen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Durch transparente und verlässliche Informationen wird das Vertrauen in die Regierung, in Gesundheitsbehörden und andere relevante Institutionen gestärkt und man ist eher bereit, deren Empfehlungen zu folgen. Dasselbe gilt jedoch auch umgekehrt: Wird dieses Vertrauen enttäuscht, sucht man nach alternativen, vertrauenswürdigeren Quellen.

Informationen und Aufklärung spielen eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Falschinformationen und Gerüchten. Durch eine klare Kommunikation und die Bereitstellung von verlässlichen Informationen können Missverständnisse und Fehlinformationen reduziert werden, was zu einer besseren Krisenbewältigung beiträgt.

Wenn die Betroffenen verstehen, was vor sich geht und welche Unterstützung verfügbar ist, fühlen sie sich weniger hilflos und besser in der Lage, auch mit den psychischen Belastungen umzugehen, die eine Krise mit sich bringt. Das gilt jedoch nur, wenn die Berichterstattung frei von Manipulation ist. Wird eine solche durchschaut, wie etwa bei den gefälschten Bildern von Bergamo, ist das Vertrauen verspielt.

Was wäre notwendig, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und aufrechtzuerhalten? Eine informierte und engagierte Gesellschaft zu schaffen erfordert kontinuierliche Anstrengung und eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Medien, Politik und Öffentlichkeit.

Folgende Ansätze könnten dienlich sein:

Medien und Politik müssen transparent und offen sein. Das bedeutet, dass Informationen zugänglich gemacht und Quellen offengelegt werden müssen. Entscheidungsprozesse müssen nachvollziehbar sein. Transparenz schafft Vertrauen, indem sie zeigt, dass es keine versteckten Absichten oder Geheimnisse gibt.

Um glaubwürdig zu sein, müssen Medien und Politik auf eine ehrliche, klare und verständliche Weise kommunizieren. Es ist wichtig, Fakten von Meinungen zu trennen und verlässliche Informationen bereitzustellen. Die Kommunikation sollte auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Expertenmeinungen basieren, um Vertrauen in die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Informationen zu schaffen. Dabei ist es unerlässlich, auch kontroversielle Stimmen und Studienergebnisse zu berücksichtigen.

Eine verantwortungsvolle Berichterstattung bedeutet, dass Medien genau, ausgewogen und umfassend berichten. Sensationsjournalismus, Fehlinformationen und Schlagzeilen, die auf Angst und Panikmache abzielen, untergraben das Vertrauen der Menschen. Medien müssen ihre Rolle als Informationsvermittler ernst nehmen und unvoreingenommene Berichterstattung fördern.

Der Dialog mit der Öffentlichkeit sollte gesucht werden, um die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu fördern. Das bedeutet tiefes, aufrichtiges Zuhören und auf die Anliegen und Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Eine dialogische Kernkompetenz ist es auch, die persönlichen Beweggründe offenzulegen. Der Dialog erfordert Offenheit gegenüber Neuem, eine lernende, statt einer wissenden Haltung – auch als Politiker – und Respekt, was wiederum das Vertrauen fördert.

Um die Unabhängigkeit und Integrität zu wahren, müssen Medien frei von politischen Einflüssen und wirtschaftlichen Interessen sein. Politik darf nicht von Lobbys beeinflusst werden und muss auf Ethik basieren. Wenn Medien und Politik als unabhängig und integer wahrgenommen werden, steigt das Vertrauen der Bürger.

Fehlerkultur und Verantwortlichkeit sind unabdingbar. Das Eingestehen von Fehlern (etwa in Form einer ernstzunehmenden Aufarbeitung der Pandemie) und das Treffen von Korrekturmaßnahmen stärkt das Vertrauen und zeigt Kompetenz: Lernfähigkeit und den Wunsch zu lernen.

Die Medienkompetenz muss gestärkt werden, damit man kritische Denkfähigkeiten entwickeln, Fakten von Meinungen unterscheiden und Fehlinformationen erkennen kann. Hier ist die Schule gefragt: Durch Bildungsangebote und Aufklärung können Menschen besser informierte Entscheidungen treffen und manipulative Taktiken erkennen.

Diese Forderungen sind unumgänglich, um sich das Vertrauen der Bevölkerung zu verdienen. Missachtet man sie offensichtlich und sogar wiederholt, steigt die politische Überdrüssigkeit, die Unzufriedenheit steigt und der Frieden im eigenen Lande wird bedroht.

Althergebrachte Medien hatten während der Pandemie zwar nicht mit einem Abflauen des Konsums zu kämpfen, jedoch mit dem Verlust des Vertrauens, der dazu führte, dass neue mediale Kanäle entstanden sind, die auf diese Bedürfnisse abzielen.

Was kann man als Bürger tun, wenn Politik und Medien sich nicht als vertrauenswürdig erweisen?

Der erste Schritt dazu ist, die Informationsvielfalt zu nutzen, um verschiedene Perspektiven zu erhalten. Neben den Mainstream-Medien bieten sich auch alternative Kanäle an, am besten mit internationalem Blickwinkel.

Hinterfragen Sie Informationen. Seien Sie kritisch. Überprüfen Sie Fakten, suchen Sie nach Quellenangaben und lesen Sie verschiedene Standpunkte zu einem Thema. Verlassen Sie sich nicht nur auf Schlagzeilen oder oberflächliche Berichterstattung.

Stärken Sie Ihre Medienkompetenz, indem Sie sich über journalistische Standards, Medientaktiken und Manipulationsstrategien informieren. Lernen Sie, Fakten von Meinungen zu unterscheiden und Fehlinformationen zu erkennen. Bildung und kritisches Denken sind wichtige Werkzeuge, um sich gegen Desinformation zu wappnen.

Engagieren Sie sich selbst in der Berichterstattung und teilen Sie Ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen über soziale Medien, Blogs oder andere Plattformen. Bürgerjournalismus kann dazu beitragen, verschiedene Perspektiven und unabhängige Stimmen in den öffentlichen Diskurs einzubringen.

Engagieren Sie sich aktiv in politischen Prozessen, indem Sie Ihre Meinung äußern, an Diskussionen teilnehmen, Ihr Wahlrecht nutzen, um Einfluss zu nehmen und Veränderungen zu fördern.

Suchen Sie den Dialog mit anderen Menschen, um unterschiedliche Standpunkte zu hören und gemeinsam zu denken. Der Austausch von Ideen und Perspektiven kann zu einem besseren Verständnis führen und neue Einsichten bieten.

Unterstützen Sie Petitionen und Kampagnen, die sich für Transparenz, Verantwortlichkeit und Medienreformen einsetzen. Durch gemeinsame Aktionen können Sie Ihre Stimme stärken und auf Missstände aufmerksam machen.

Engagieren Sie sich in Ihrer lokalen Gemeinschaft, um positive Veränderungen zu bewirken. Durch lokale Initiativen und Projekte können Sie direkte Auswirkungen erzielen.

Es braucht als beides, um einen Wandel herbeizuführen: sowohl Maßnahmen, die individuell umgesetzt werden können, als auch gemeinsames Handeln und kollektive Bemühungen, für Belange, die größere Gemeinschaften betreffen.

Fragen zur Selbstreflexion:

  • Wie bin ich während der Infodemie mit Medien umgegangen?
  • Habe ich Informationen stets kritisch geprüft, besonders, wenn ich sie weiterverbreitet haben?
  • Was war mein Beitrag dazu, an glaubwürdige Informationen zu kommen?
  • Wie viel Zeit habe ich damit verbracht an Informationen zu kommen und wie hoch war der Ertrag, den ich dabei erzielt habe?
  • Ist mein Medienkonsum effizient und fördernd oder sollte ich ihn überdenken?
  • Was beeinflusst mein Verständnis von Wirklichkeit?

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Glaube und Spiritualität: Frage #4.2

Glaube und Spiritualität können in schwierigen Zeiten eine wichtige Rolle spielen, um Krisen besser zu überstehen. Beide Konzepte sind eng miteinander verbunden, allerdings mit unterschiedlichen Bedeutungen.

Glaube bezieht sich im Allgemeinen auf die Überzeugung an etwas, das über Beobachtung oder rationale Erklärung hinausgeht. Es kann sich auf religiöse Überzeugungen beziehen, wie den Glauben an einen bestimmten Gott, eine göttliche Kraft oder eine bestimmte religiöse Lehre.

Spiritualität ist ein breiteres Konzept und bezieht sich auf die Suche nach dem Sinn und der Bedeutung des Lebens sowie nach einer Verbindung zu etwas Höherem, Transzendenten oder Spirituellen. Es ist oft eine individuelle und persönliche Erfahrung, die sich jenseits organisierter Religionen manifestieren kann. Sie kann sich in Form von Meditation, Gebet, Kontemplation, Naturverbundenheit oder dem Streben nach innerem Wachstum und Bewusstsein ausdrücken.

Die Definitionen der beiden Begriffe können je nach religiöser oder kultureller Tradition variieren. Einige Menschen betrachten Glaube und Spiritualität als untrennbar miteinander verbunden, während andere eine Unterscheidung zwischen den beiden machen. Letztendlich ist die Bedeutung eine persönliche Angelegenheit und kann von Mensch zu Mensch differieren.

Glaube lässt eine tiefere Bedeutung und einen Sinn inmitten einer Krise finden. Spiritualität ermöglicht es, sich mit etwas Größerem zu verbinden und ein Gefühl von Zweck und Hoffnung zu entwickeln, selbst wenn die Umstände schwierig sind.

Der Glaube kann Trost und Hoffnung schenken, insbesondere in Zeiten der Unsicherheit und Angst. Religiöse oder spirituelle Überzeugungen können dabei helfen, Vertrauen in eine höhere Macht oder einen göttlichen Plan zu entwickeln, der durch die Krise führt.

Religiöse Gemeinschaften oder spirituelle Gruppen bieten oft Raum für Unterstützung, Zusammenhalt und gemeinsames Gebet oder Meditation. Glaube stärkt die Verbundenheit mit anderen Menschen, die ähnliche Überzeugungen haben, und sich gegenseitig in schwierigen Zeiten stärken.

Glaube und Spiritualität können innere Stärke und Resilienz aufbauen. Sie können dabei unterstützen, mit Stress, Angst und Verlust umzugehen und Kraft und Ausdauer zu finden.

Perspektiven können verändert werden, um eine breitere Sichtweise auf das Leben und die Welt zu bekommen. Etwa, dass es mehr gibt als nur die materielle Realität und dass wir Teil eines größeren Ganzen sind. Dieser Wechsel des Blickwinkels lässt Herausforderungen in einem größeren Kontext sehen und mit mehr Gelassenheit reagieren.

Glaube und Spiritualität laden oft dazu ein, sich selbst zu reflektieren, Werte zu überdenken und nach Wachstumsmöglichkeiten zu suchen. In Krisenzeiten kann man durch spirituelle Praktiken wie Gebet, Meditation oder Kontemplation eine tiefere Verbindung zu sich selbst aufbauen und die persönliche Entwicklung und Selbsttransformation in Gang setzen.

Diese Aspekte gelten auch für Menschen, die nicht religiös sind, da Spiritualität in vielerlei Formen auftreten kann, einschließlich einer allgemeinen Verbundenheit mit der Natur oder der Menschheit.

Während Spiritualität eine Quelle der Inspiration, des Wachstums und der Erfüllung sein kann, gibt es auch einige potenzielle dunkle Seiten, die berücksichtigt werden sollten.

Manchmal führt Spiritualität zu starren Glaubenssystemen oder dogmatischen Ansichten. Dies zeigt sich in Intoleranz gegenüber anderen Überzeugungen oder der Ablehnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Wie bei jeder anderen Sphäre des Lebens, kann Spiritualität auch missbraucht werden. Es besteht die Gefahr, dass Menschen ihre Macht verwenden, um andere zu manipulieren, zu betrügen oder auszunutzen.

Eine übermäßige Betonung der Spiritualität kann dazu führen, dass Menschen die Herausforderungen und Probleme der realen Welt vernachlässigen. Eine Balance zwischen Spiritualität und praktischem Handeln ist wichtig.

Manche Menschen entwickeln ein aufgeblasenes Ego, bei dem sie sich überlegen oder elitär fühlen, weil sie sich als spirituell fortgeschrittener oder erhabener betrachten. Das kann sich in Arroganz, Überheblichkeit oder der Ablehnung anderer ausdrücken.

Wird man in seiner spirituellen Praxis abhängig von externen Quellen wie religiösen Lehrern, Gurus oder bestimmten Riten, besteht die Gefahr, dass die eigene innere Autorität und Intuition vernachlässigt wird.

Der Glaube mag auch als Fluchtmechanismus dienen, um den Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens zu entkommen. Man riskiert dabei den Verlust der Verbindung zur Realität und neigt zur Verantwortungslosigkeit.

Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass diese dunklen Seiten nicht inhärent zur Spiritualität gehören, sondern potenzielle Fallstricke darstellen, die auftreten können, wenn bestimmte Aspekte überbetont oder missverstanden werden. Eine gesunde, ausgewogene und reflektierte Herangehensweise kann dazu beitragen, diese Herausforderungen zu vermeiden und das volle Potenzial der spirituellen Praxis zu nutzen.

Und wieder begegnet uns die Frage, die uns bis zur abschließenden Analyse begleiten wird: Weshalb haben die Strategien, die bislang als funktionell für die Krisenbewältigung galten, diesmal nicht gegriffen?

Ein besonderes Problem, das sich während der Pandemie ergeben hat, ist, dass bislang als unterstützend empfundene Religionsgemeinschaften ihre Tragfähigkeit verloren haben, indem sie selbst zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen haben oder ihren Mitgliedern den Beistand verwehrt haben, was sich besonders traumatisch ausgewirkt hat. Das heißt, dass sich nicht nur Einzelpersonen, sondern auch ganze Religionsgemeinschaften mit der Aufarbeitung ihrer Handlungsweise beschäftigen müssen. Was waren die Stolpersteine, die zu einem Missbrauch der Macht geführt haben? Sind es Fehler, die im aktuellen Zeitgeschehen passiert sind oder gibt es schon seit langem Strukturen, die das begünstigen? Sind die Werte, die meine Religionsgemeinschaft oder spirituelle Gemeinschaft vertritt (nicht als Lippenbekenntnis, sondern in der Tat), mir noch gemäß?

Fragen zur Selbstreflexion:

  • Welche Bedeutung hat Spiritualität für mich persönlich?
  • Was ist für mich der Sinn des Lebens und die Bedeutung (meiner) Existenz?
  • Wie beeinflusst das mich und mein Verhalten anderen gegenüber?
  • Welche Erfahrungen und Ereignisse in meinem Leben hatten eine spirituelle Dimension oder Bedeutung für mich?
  • Welche Werte sind mir wichtig und wie lebe ich diese?
  • Gibt es Momente, in denen ich mich mit etwas Größerem verbunden fühle?
  • Habe ich bereits Erfahrungen mit Fallstricken gemacht, die sich aus einer unausgewogenen oder missverstandenen spirituellen Praxis ergeben haben?
  • Gibt es Fragen oder Herausforderungen, die ich in Bezug auf meine Spiritualität klären möchte?

Wenn Sie diese Fragen nur lesen, wird möglicherweise nicht viel passieren. Nutzen Sie die Methode des therapeutischen Schreibens und setzten Sie sich schriftlich damit auseinander. Überarbeiten Sie Ihre Texte, bis sie stimmig sind. Das kann man für sich allein machen (etwa im Zuge von biografischem Schreiben) oder in einer (auch virtuellen) Gruppe.

Für alle, die die Lust am Schreiben noch nicht gepackt hat, bietet sich der Dialog an, um sich in der Gruppe über ein Thema auszutauschen und dabei zu Erkenntnissen und Einsichten zu gelangen, die man allein nie erreicht hätte.


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Soziale Unterstützung und Netzwerke: Frage #4.1

Soziale Unterstützung von Familie, Freunden und Gleichgesinnten scheint einer der wichtigsten Aspekte zu sein, der Menschen hilft, durch kritische Zeiten zu kommen.

Dabei spielt die Qualität der sozialen Beziehungen eine wichtigere Rolle als die Quantität. Es ist nicht die Anzahl der unterstützenden Personen, die entscheidend ist, sondern auf welche Weise die Unterstützung zur Bewältigung eines Problems erfolgt.

Man kann zwischen zwei Formen der sozialen Unterstützung unterscheiden: Die erhaltene soziale Unterstützung, also das Ausmaß und die Art der Unterstützung rückblickend aus Sicht des Empfangenden, sowie die erwartete soziale Unterstützung.

Beide können nach der Art der Hilfe unterschieden werden:

  • Informationelle Unterstützung (Ratschläge, hilfreiche Informationen, Tipps zur Problemlösung)
  • Instrumentelle Unterstützung (durch Arbeitsleistung oder finanzielle Unterstützung)
  • Emotionale Unterstützung (Trost, Mitgefühl, Anerkennung)

Soziale Unterstützung wirkt sowohl direkt auf Wohlbefinden und Gesundheit, als auch indirekt im Sinne eines Vorrats, wenn kritische Zeiten auftreten.

Allerdings ist das nicht immer der Fall und es können auch negative Effekte auftreten. Etwa dann, wenn die Unterstützung zwar gut gemeint ist, aber nicht den Bedürfnissen entspricht. Unterstützung kann auch Defizite aufzeigen, die den Selbstwert und die Selbstwirksamkeit beeinträchtigen.

Studienergebnisse

2022 erschien „Die österreichische Gesellschaft während der Corona-Pandemie“, ein Sammelband aus sozialwissenschaftlichen Umfragen, in dem auch die Auswirkungen der Krise auf das soziale Leben erfasst wurden. Die Autoren kamen zu dem Schluss: Die Häufigkeit der Sozialkontakte stieg nach Ende des Lockdowns, das Wohlbefinden ebenfalls, jedoch nicht im selben Ausmaß. Persönliche Kontakte wurden vermehrt durch Telefon und Internet ersetzt, wobei es in diesem Falle keinen signifikanten Zusammenhang mit dem Wohlbefinden gab. Die Autoren vermuten: Der schwache Effekt physischer Sozialkontakte auf das Wohlbefinden während der Krise könnte darauf zurückzuführen sein, dass die temporäre physische Isolation absehbar war und die sozialen Ressourcen nach der Krise weiterhin verfügbar blieben.

Es scheint, als hätten die Autoren einen wichtigen Aspekt nicht berücksichtigt: Nämlich dass jegliche soziale Kontakte – unabhängig davon, ob durch einen reellen gefährlichen Virus oder durch die politische und mediale Darstellung entstanden – zur potenziellen Bedrohung wurden. Kein Wunder, dass diese wichtige Ressource, um gut durch Krisen zu kommen, ausgehebelt wurde. Ganz anders erlebten das viele Maßnahmenkritiker, die zwar berichteten, dass soziale Beziehungen in die Brüche gingen, sie aber gleichzeitig neue, und zwar qualitativ hoch bewertete Beziehungen eingingen. Zudem wurde bei dieser Gruppe der persönliche Kontakt weniger durch virtuelle Kontakte ersetzt. Zum Teil wurden sie sogar ausgeweitet, etwa durch die Teilnahme an Demonstrationen oder durch gegenseitige Hilfeleistungen, die man sich nicht verwehren ließ.

Soziale Unterstützung fördern

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um soziale Unterstützung zu fördern, indem man Beziehungen pflegt. Hier sind einige Ansätze:

Investieren Sie Zeit und Energie in den Aufbau und die Pflege von Beziehungen zu Familie, Freunden, Nachbarn und Kollegen. Planen Sie regelmäßige Treffen oder Aktivitäten, um sich auszutauschen und Spaß miteinander zu haben. Regelmäßige soziale Interaktionen helfen, ein unterstützendes Netzwerk aufzubauen.

Engagieren Sie sich in lokalen Gemeinschaftsgruppen, Vereinen oder ehrenamtlichen Organisationen. Dies ermöglicht Ihnen, Gleichgesinnte zu treffen und sich aktiv in soziale Aktivitäten einzubringen.

Nutzen Sie Online-Plattformen und soziale Medien als Möglichkeiten, um soziale Unterstützung zu finden und anzubieten. Suchen Sie nach Foren, Gruppen oder Online-Communitys, in denen Sie sich mit Menschen austauschen können, die ähnliche Erfahrungen machen oder ähnliche Interessen haben.

Informieren Sie andere über die Wichtigkeit sozialer Unterstützung und wie sie zu mehr Wohlbefinden und Lebensqualität beitragen kann. Teilen Sie Informationen über Ressourcen und Dienstleistungen, die verfügbar sind, um Unterstützung zu erhalten.

Machen Sie auf die Gefahren und Auswirkungen von sozialer Isolation aufmerksam und fördern Sie Maßnahmen zur Prävention. Organisieren Sie Veranstaltungen oder Aktivitäten, die Menschen zusammenbringen und soziale Bindungen stärken. Schaffen Sie dabei eine Umgebung, in der sich Menschen sicher und wohlfühlen können. Das fördert ein Klima der Solidarität und des Zusammenhalts.

Soziale Unterstützung ist ein wechselseitiger Prozess, der der Pflege bedarf. Durch die Förderung von sozialer Unterstützung können wir dazu beitragen, starke soziale Netzwerke aufzubauen und das Wohlbefinden sowohl auf individueller als auch auf gemeinschaftlicher Ebene zu verbessern.

Was ist falsch gelaufen?

Eine Frage, die uns durch alle Analysen begleiten wird, ist: Weshalb haben die Strategien, die bislang als funktionell für die Krisenbewältigung galten, diesmal nicht gegriffen?

Ein besonderes Problem, das in Zeiten der Pandemie aufgetreten ist, besteht darin, dass bislang tragfähige Netzwerke wie Partnerschaften, Familien, Freundschaften oder Interessensgemeinschaften, angefeuert durch die mediale und politische Spaltung, ihren Zweck nicht mehr erfüllen konnten und durch ihren Wegfall eine Traumatisierung begünstigt wurde. Es geht nun also darum, entweder beschädigte bisherige Beziehungen zu heilen oder neue, funktionelle aufzubauen, die den Anforderungen entsprechen, die nötig sind, um eine Krise gut zu überstehen. Auch hier haben die Antworten gezeigt, dass wenige gute Freunde wesentlich wichtiger waren als etliche oberflächliche. Gleichzeitig ist es auch wichtig sich Fähigkeiten anzueignen, die dafür sorgen auch in zukünftigen Krisensituationen die soziale Unterstützung nicht zu verlieren und auch selbst anzubieten. Etwa Kommunikationsfähigkeiten, Solidarität oder Zivilcourage. Was stärkt mich und schafft „Vorräte“, mit denen sich, auch schwierige Zeiten, in denen man sich nicht immer auf die gewohnte soziale Unterstützung verlassen kann, durchsteht?

Tätig werden

Welche Ideen sind Ihnen durch den Kopf gegangen, während Sie diesen Beitrag gelesen haben? Planen Sie im Geiste schon ein Klapptischtreffen im öffentlichen Park zum Thema „Selbstversorgung für Balkongärtner in der Stadt“ und freuen sich darauf, neue Leute kennenzulernen? Oder denken Sie daran, ihre Nachbarn für ein Stiegenhausfest zu gewinnen, weil sie eigentlich schon eine ganze Weile im selben Haus leben, aber recht wenig voneinander wissen und damit das Potenzial einer guten Nachbarschaft noch gar nicht ausschöpfen? Oder haben Sie keine Lust, selbst etwas zu organisieren, würden aber gerne an einer Veranstaltung teilnehmen? Dann könnten Sie eine Liste der Angebote oder der Anbieter erstellen, die infrage kommen. Am besten teilen Sie diese mit Leuten teilen, die sich ebenfalls dafür interessieren könnten.

Vielleicht sehen Sie auch noch Licht, um in die Brüche gegangene Beziehungen zu kitten. Das wäre die schönste Form der Aufarbeitung, aus der beide Seiten lernen könnten. Wann und warum ist es passiert? Was hätten die Beteiligten sich vom jeweils anderen gewünscht, was hätten sie gebraucht? Verstehen ist der erste Schritt zu Vergebung. Der Dialog ist eine unschätzbare Kommunikationsform auf diesem Weg.

Werden Sie aktiv. Nur wenn man sich aus seiner Komfortzone herausbewegt, kann man lernen und Wachstum in Gang setzen.

Literatur:

W. Aschauer et al. (Hrsg.), Die Österreichische Gesellschaft während der
Corona-Pandemie, https://doi.org/10.1007/978-3-658-34491-7_3


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Wir schreiben Geschichte: Analyse Frage #4

Die Teilauswertung dieser Frage umfasst zum jetzigen Zeitpunkt 73 Antworten auf die Frage:

4. Was war für Sie besonders hilfreich, um gut durch die Krise zu kommen?

Geschildert werden eine Vielzahl von Unterstützungssystemen und Überlebensstrategien, die Menschen während der kritischen Zeiten der Pandemie geholfen haben. Folgende Themenbereiche ergeben sich aus der Inhaltsanalyse:

  1. Soziale Unterstützung und Netzwerke
  2. Glaube und Spiritualität
  3. Information und Aufklärung
  4. Persönliche Einstellungen und innere Stärke
  5. Aktivismus und gesellschaftliches Engagement
  6. Natur und Umgebung
  7. Kreative und persönliche Interessen
  8. Selbstversorgung und Gesundheit

— weitere Analysen in Arbeit —


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