Solidarität – vom guten Leben (für alle)

Wer den langen Weg der Solidarität bis heute verfolgt, kann sich ob der widersprüchlichen Verwendung während der Coronakrise nur verblüfft zeigen. Der kämpferische Begriff der Arbeiterbewegung ist ins Zentrum staatlicher Krisenpolitik verschoben worden und mit ihm die Zahl der positiv Getesteten als Maßzahl solidarischen Handelns.

Verband man früher Solidarität mit dem Drang zur Umgestaltung untragbarer Zustände, mutierte sie in Coronazeiten zum Abbild des staatsbürgerlichen Gehorsams in Form von Befolgen der von der Exekutive auferlegten Regeln. Der achtsame Nachbar von nebenan, der die Einhaltung dieser Regeln überwachte, konnte sich so als Vorbild gesellschaftlicher Solidarität profilieren. Das zur Bewältigung der Pandemie notwendige Social Distancing erstickte den Samen solidarischen Handelns im Keim: das Zusammenkommen und sich Austauschen.

Die Aufforderung mancher Virologen, jeden Mitmenschen a priori als potenziellen Virenträger und damit als Bedrohung anzusehen, kann in der ihr eigenen Logik durchaus vernünftig scheinen. Doch steht ein solcher Entwurf einer Gesellschaft im krassen und unüberbrückbaren Gegensatz zu dem, was bislang als Solidarität galt.

Die allgegenwärtige Forderung nach Solidarität gibt Auskunft darüber, wer denn eigentlich in hohem Maße geschützt werden soll, und wessen Leid hingegen keiner Erwähnung bedarf. Und das sind – wie schon vor der Coronakrise – die sozial Schwächsten: Alleinerziehende Eltern, Migranten, Obdachlose, alte Menschen – mit geringer Rente oder gar pflegebedürftig.

Was ist sie nun, diese Solidarität? Ist sie schon da, wenn wir als Steuerzahler den Solidarbeitrag leisten oder Klimaproteste auf Twitter liken? Bin ich unsolidarisch, wenn ich an einem Bettler vorübergehe und solidarisch, wenn ich für „Brot für die Welt“ spende? Denke ich unsolidarisch, wenn ich mich als finanziell erheblich belasteter junger Berufstätiger ärgere, in eine Pensionskasse einzuzahlen, die mir selbst möglicherweise nie zugutekommen wird? Bin ich solidarisch auf Kosten anderer, wenn ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen eintrete?

Oder müssen wir an die persönliche Komfortzone heran? Gleich heute, wenn wir beschließen das Auto stehenzulassen, dann aber bemerken, dass man mit den Öffis nicht rechtzeitig zur Arbeit kommt. Oder wenn die Kinder meckern, dass es statt der Banane heute schon etwas mehlige Äpfel zum Pausenbrot gibt? Der Blick in den Kleiderschrank lässt gleich wieder die Stirn runzeln: Ist das alles umweltverträglich und menschenwürdig hergestellt worden? Und brauche ich das wirklich alles? Zumindest bietet sich die Pause dazu an, mit den Arbeitskollegen zu diskutieren, weshalb es gescheiter wäre Fair Trade Kaffee zu trinken. Mit dem Chef über ein Vier-Stunden-Arbeitsmodell zu reden, wäre wohl noch zu früh und möglicherweise jobgefährdend. Aber wenigstens könnte man den geplanten Urlaub in Mallorca gegen die Ostsee tauschen. Die Bahnfahrt wäre zwar teurer, aber die Klimabilanz vermutlich besser …

Diese Beispiele lassen erahnen, dass Solidarität nicht nur der Überbegriff für Freundlichkeit, Mitgefühl und sozialstaatliche Folgebereitschaft sein kann. Sie berührt unser Verständnis von Zugehörigkeit, die Bereitschaft, sich den Nöten der Mitmenschen zu stellen und das Gefühl der Verantwortung und Fürsorge für das Ganze. Wer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, die anderen ihrem Schicksal überlässt, wem die Gemeinschaft und unser Planet gleichgültig ist, der pfeift auf Solidarität.

Katastrophen und Krisen können das Beste im Menschen zum Vorschein bringen, so Rebecca Solnit in ihrem Buch „A paradise built in hell“. Der natürliche Zustand, zu dem wir zurückgreifen, wenn die gewohnten Strukturen nicht mehr tragen, ist nicht jeder gegen jeden. Zahlreiche Belege dafür findet sie in den Katastrophen der letzten hundert Jahre: Erdbeben, Wirbelstürme, Bombenangriffe, Terroranschläge oder auch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl.

In Katastrophen brechen Hierarchien auf. Verwaltung und Institutionen wirken nicht mehr. Es entsteht aber eine Selbstorganisation, um Chaos zu verhindern. Es werden Suppenküchen gebaut, Notunterkünfte errichtet, Kinder betreut. Dabei verhält sich die Mehrzahl der Menschen ruhig, einfallsreich und ganz und gar nicht egoistisch.

Das ist aber nur ein Blickwinkel. Es gibt durchaus auch Beispiele dafür, dass eine Bedrohung von außen die Bevölkerung dazu bringen kann, nach Sündenböcken zu suchen: Etwa, als die Juden bezichtigt wurden, für die Pest verantwortlich zu sein. Es gibt allerdings auch Hinweise, dass Krisen dann zu Diskriminierung führen, wenn die Politik dies beabsichtigt. Während die Schuld Außenstehenden in die Schuhe geschoben wird, können die wirklich Verantwortlichen ungeschoren davon kommen.

Krisen, die uns wie aus dem Nichts treffen, erinnern uns daran, dass wir alle im selben Boot sitzen. Die Verdrängungsmechanismen, die uns im Alltag das Elend rund um uns herum ertragen lassen, brechen weg und wir identifizieren uns mit den Betroffenen. Wir spüren die menschliche Verwundbarkeit und unser Verantwortungsgefühl aktiviert die Solidarität.

Die Frage, die sich stellt: Kann diese Solidarität Bestand haben, wenn die Krise vorbei ist?

In den westlichen Gesellschaften haben wir uns über lange Zeit das Recht erworben, uns selbst zu definieren. Freiheit bedeutet aber auch die gar nicht leichte Aufgabe, zu bestimmen, welche Rolle man in dieser Welt einnehmen möchte. Aber wie wir es auch drehen und wenden, wir sind abhängig voneinander. Unsere Freiheit hängt untrennbar von der Freiheit der anderen ab. Und spätestens wenn ein bedrohlicher Virus erscheint, ist es entscheidend, darauf vertrauen zu können, dass jeder tut, was er kann inklusive der dafür beauftragten Institutionen.

Hat es die Corona-Krise gebraucht, um das zu erkennen? Das wäre ein gefährlicher Trugschluss. Die positive Folge könnte aber sein, dass wir uns der Werkzeuge besinnen, mittels derer wir eine freie, sichere Gesellschaft aufbauen können, die der solidarischen Natur des Menschen entspricht.

Der Schlüssel dazu, der alle Türen öffnet, ist der Dialog.

Literatur:

  • Bude, H.: Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee. München, 2019.
  • I.L.A. Kollektiv: Das gute Leben für Alle. Wege in die solidarische Lebensweise. München, 2019.
  • Harsvik, W. & Skjerve, I.: Homo Solidaricus. Der Mensch ist besser als sein Ruf. Berlin, 2021.
  • Solnit, R.: A paradise built in hell. New York, 2009.
  • Süss, D. & Torp, C.: Solidarität. Vom 19. Jahrhundert bis zur Corona-Krise. Bonn, 2021.
  • wer keine Fachbücher mag, dem sei folgender Roman empfohlen: Ironmonger, J.: Der Wal und das Ende der Welt. Frankfurt, 2020.

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Give Peace a Chance

„Give Peace a Chance“ von John Lennon und Yoko Ono ist die Friedenshymne für Generationen von Pazifisten auf der ganzen Welt und hat auch nach 50 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt. So sehr der Song durch seine Einfachheit besticht, so außergewöhnlich ist seine Entstehungsgeschichte. Anstatt sinnlosen Blablas forderte das Künstlerpaar gewaltfreie, positive Friedensaktivitäten und leitete damit eine dramatische Wende ein.

Dieser Text wurde für die Friedensnoten verfasst und bei Rubikon und Radio München erschienen:

Während ihrer Flitterwochen im März 1969 veranstalteten John Lennon und Yoko Ono ein Bed-In im Queen Elizabeth Hotel in Montreal. Zu dieser Zeit saßen die beiden nebeneinander im Bett, empfingen Gäste, gaben Interviews und nahmen den Song Give Peace a Chance auf.

Sie begründeten die Aktion damit, dass Demonstrationen die Öffentlichkeit zunehmend gleichgültig ließen und man die Menschen über ein Bed-In auf anderem Wege auf Probleme aufmerksam machen könne.

Der Song besteht aus vier Strophen im Marschrhythmus mit einem sich wiederholenden Text, der an das Rezitieren von Mantras erinnert, sowie dem prägnanten Refrain „All we are saying is give peace a chance“.

Die mehr oder weniger willkürlich zusammengestellten, teils frei erfundenen Begriffe deuten auf das sinnlose Blabla hin, das die Friedensbewegung zu dieser Zeit führte: „Bagism, Shagism, Dragism, Madism, Ragism, Tagism“, und die mit „This-ism, that-ism, ism ism ism“ zusammenfasst werden.

Im Gegensatz zu den damals vorherrschenden endlosen Diskussionen innerhalb der Friedensbewegung forderte John Lennon Zusammenhalt, mit der wesentlichen Forderung, dem Frieden eine Chance zu geben. Diese Veränderung der Konzentration auf gewaltfreie, positive Friedensaktivitäten ist die dramatische Wende unter den Aktivisten, die zu dieser Zeit stattfand.

Am 4. März 2022 um 08:45 Uhr strahlten 150 öffentliche europäische Radiosender dieses Lied für den Frieden und gegen die russische Invasion in der Ukraine 2022 aus.

Was ist aus diesem Ruf nach Frieden geworden? Weshalb kehrt die Politik immer wieder zurück zu der irrigen Annahme, Frieden könne durch Krieg und Waffenlieferungen herbeigeführt werden?

Konflikte sind nicht grundsätzlich schlecht. Interessensgegensätze können Ausgangspunkt für einen konstruktiven sozialen Wandel sein, und viele demokratische Errungenschaften wurden auf diesem Wege erreicht.

Positiver Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von offensichtlicher Gewalt, sondern auch das Vorhandensein von sozialer Gerechtigkeit.

Dazu braucht es Empathie, Respekt, Toleranz und Solidarität gegenüber allen Menschen sowie den Mut, das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen. Allesamt Fähigkeiten, die nicht nur der Schlüssel zum Frieden auf dem aktuellen Kriegsschauplatz wären, sondern die uns auch in den letzten drei Jahren, die voll von Aggression, Schuldzuweisungen, Angst und Bedrohung waren, behütet hätten und uns menschlich hätten wachsen lassen können.


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Sommersonnenwende

Erdig kühl ist das weiche Gras unter der alten Linde. Die Zweige hängen tief ob der Last der betörend duftenden Blütentrauben. Unzählige Bienen sammeln eifrig den süßen Nektar des Hochsommers. Sanft wiegen sich die herzförmigen Blätter im lauen Wind. Das Licht der hochstehenden Mittagssonne zaubert ein Potpourri in Grün ins raschelnde Laub.

Lächelnd denke ich an die Biologiestunden der Kindheit über die Bedeutung des Baumes als grünes Kraftwerk und atme tief den vermeintlichen Sauerstoff ein. Ein Bussard gleitet federleicht im Aufwind dahin, zieht seine Kreise, mit scharfem Blick auf das frisch gemähte Feld in der Hoffnung auf sättigende Beute. Ob ihm wohl die geduldig unter dem Zwetschgenbaum lauernde Katze zuvor kommen wird?

Der Horizont verschwimmt zwischen dem Blau des Himmels und dem Ende des Sees. Kinderlachen weht aus der Ferne heran, fröhliche Unbeschwertheit. Die Libellen tanzen über dem Seerosenteich.

Die Gedanken schweifen ab zu den Sommern meiner Kindheit: Planschen auf den Sandsteinfelsen der Bregenzer Ach, der Duft des Heidelbeerkuchens aus dem Backofen, barfuß laufen im Sommerregen.

Aus Erinnerungen werden Erzählungen: Über das sommerliche Leben meiner Großeltern, mit langen Arbeitstagen, um Heu und Getreide einzubringen, wilde Beeren zu sammeln, Vorräte für den Winter anzulegen und – zu feiern.

Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres, der Tag der Sommersonnenwende gilt seit jeher als magisch. Die Mittsommernacht wird vielerorts mit Freudenfeuern begangen, die das Böse abwehren, vor Krankheiten schützen und fruchtbaren Segen für die Äcker spenden sollen. Haus und Ställe werden ausgeräuchert, Johanniskraut und andere Heilkräuter zu Sonnwendbuschen gebunden, Festtagskrapfen gebacken. Man nimmt Abstand vom Alltag, feiert die Fülle des Sommers und nährt die Hoffnung.

Weshalb sind diese uralten Rituale auch heute noch präsent? Früher war die Sonne entscheidend für das Leben und Überleben. Die Zeit der Sommersonnenwende war die leichteste Zeit des Jahres, mit ausreichend Licht, Wärme und Nahrung. Zwar sind wir heute in den Industrieländern durch das elektrische Licht weniger abhängig vom Rhythmus der Sonne, doch beeinflusst uns der Wechsel von hell und dunkel mehr als es auf den ersten Blick erkenntlich ist.

Neurobiologische Grundlagen

Der zirkadiane Rhythmus hilft, sich an den Tag-Nacht-Zyklus der Umwelt anzupassen. Macht man sich vom Sonnenlicht unabhängig, wird die innere Uhr gestört, was sich beispielsweise als Jetlag äußert.

Den natürlichen Rhythmus zu stören, birgt zudem gesundheitliche Risiken: beeinträchtigte Muskel- und Knochenfunktionen, erhöhte Entzündungsneigung, schlechtere Schlafqualität, ein höheres Körpergewicht und häufigere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Psychische Auswirkungen

Der Zusammenhang von Sonne und Wohlbefinden ist uns ganz intuitiv klar: So zieht es uns im Urlaub bevorzugt in den Süden und auch der Alterswohnsitz wird eher dort als im Norden gewählt.

Forscher beobachteten, dass man an sonnigen Tagen die allgemeine Lebenszufriedenheit höher einschätzt. Möglicherweise kommt diese positivere Bewertung durch die bessere Stimmung zustande. Außerdem haben wir die Tendenz, bei guter Stimmung vermehrt positive Dinge wahrzunehmen. Im psychiatrischen Bereich kennen wir die stimmungsaufhellende Wirkung der Lichttherapie bei jahreszeitlich abhängigen affektiven Störungen.

Auswirkungen auf das Verhalten

Neben der Stimmung beeinflusst das Sonnenlicht auch unser Verhalten: Bei Sonnenschein gibt man mehr Trinkgeld. Bei Regen gibt es mehr negative Beiträge in den sozialen Medien. Die Suchanfragen nach sonnigen Urlaubsdomizilen steigt. Kinder im Volksschulalter malen auf fröhliche Bilder oft eine Sonne.

Auch wenn für viele die Sommersonnenwende keine große Bedeutung mehr hat, der Einfluss der Sonne ist immer noch gravierend. Man denke beispielsweise an die unterschiedliche Freizeitgestaltung zwischen Sommer und Winter. Auch die Wirtschaft ist sonnenabhängig: Nicht nur das Kaufverhalten von saisonalen Produkten ändert sich, sondern auch der Aktienkauf scheint wetterabhängig zu sein. Die Gesundheit wird durch den Sonnenmangel beeinflusst, der sich in einer miserablen Versorgung von Vitamin D bei einem Großteil der Bevölkerung und deren Folgeerscheinungen ausdrückt. Durch künstliches Licht und Termindruck leiden viele unter chronischer Übermüdung. Haben Sie am Wochenende das Bedürfnis, endlich ausschlafen zu können? Dann leiden Sie möglicherweise unter der Woche unter Schlafmangel. Womit sich wieder der Kreis zur Wirtschaft schließt, die gesündere, zufriedenere und leistungsfähigere Mitarbeiter hätte, wenn sie bei der Arbeitsgestaltung die Sonnenrhythmen beachten würde.

Alles in allem bietet ein Fest zur Sommersonnenwende die Gelegenheit, ein ganz besonderes Naturereignis zu feiern, sei es um etwas Magie im Alltag zu erleben, aus Glauben oder Aberglauben oder um die sozialen Bande mit Freunden zu stärken.

Literatur:

  • Frey, D.: Psychologie der Rituale und Bräuche. Springer Verlag, München 2018.
  • Riedmann, C.: Sommersonnenwende. BaumRaum, Lustenau 2023. Volltext.

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Der Klang der Stille

Der Friedensnobelpreis 2015 ging an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog und seine Bemühungen nach dem Sturz des tunesischen Machthabers, das Land in Richtung Demokratie zu führen. Der Preis war nicht nur als Anerkennung der Verdienste um den Frieden gedacht, in einer Zeit, in der das Land an allen Fronten in Gefahr war. Er sollte auch eine Ehrung für alle sein, die auf der ganzen Welt an einer Kultur des Dialogs arbeiten und ein Ansporn, den Dialog für Friedensbemühungen in aller Welt zu nutzen.

Doch was hat der Dialog mit dem Sound of Silence, dem Klang der Stille zu tun?

Sound of Silence wurde 1964 von Paul Simon und Art Garfunkel zum ersten Mal veröffentlicht. Der Rolling Stone führt ihn in der Liste der 500 besten Songs aller Zeiten. Der epische Gänsehauteffekt der Coverversion des Jahres 2015 von der Metalband Disturbed mit der außergewöhnlichen Stimme von David Draiman, die ob der Effekthascherei ebenso gefeiert wie kritisiert wurde, sorgte für internationale Aufmerksamkeit und millionenfache Verkäufe.

Schon die ersten Zeilen des Songs, „Hello darkness, my old friend. I’ve come to talk with you again“, illustrieren Martin Bubers Idee vom dialogischen Prinzip. Der Sänger begrüßt die Dunkelheit als alten Freund, bereit, eine tiefgehende Unterhaltung zu führen. Es ist keine einfache Interaktion, sondern ein Versuch, eine echte Verbindung zu der „Dunkelheit“, die als metaphorische Person angesprochen wird, aufzubauen.

Dabei geht es nicht wie sonst so häufig bei Diskussionen darum, zu gewinnen oder Punkte für sich zu sammeln. Der Dialog will stattdessen über die Grenzen der Andersartigkeit, der für uns im Dunkeln liegenden Bereiche, hinausgehen und sich zum Gewinn aller auf eine Reise heraus aus dem Gefängnis des Gedachten hin zur Freiheit des gemeinsamen Denkens machen.

Der Songtext präsentiert eine kritische Auseinandersetzung mit der modernen Kommunikation: „People talking without speaking. People hearing without listening.“ Hier wird der Mangel an echtem Dialog in unserer Gesellschaft sichtbar: all die oberflächlichen Gespräche, die stattfinden, wo Menschen sprechen, aber keine Bedeutung teilen, und das Gesagte zwar hören, aber nicht wirklich zuhören. Von Herzen sprechen und tiefes Zuhören sind zwei der Kernkompetenzen eines gelingenden Dialogs.

Der Song „Sound of Silence“ wirft Fragen auf, warum Menschen in der Stille verharren und ihre Stimmen nicht erheben. Diese Stille begegnet uns auch im Dialog: Es ist die Stille zwischen den gesprochenen Worten, die eigentliche Qualität des Dialogs, wenn man sich auf den Moment des Spürens einlässt. Doch in diesem Augenblick des Innehaltens, des sich Öffnens, in dem man um Verständnis ringt, steigt der Impuls zum echten Gespräch auf, der alles verändert, der von der wissenden Haltung zu einer lernenden führt. Sich selbst in den Momenten der Stille, den eigenen Vorurteilen und Ängsten zu stellen, ist integraler Bestandteil des Dialogs.

Im Songtext ist niemand bereit, den Klang des Schweigens und nicht Zuhörens zu unterbrechen. Die Warnung: „Ihr Dummköpfe, diese Stille wuchert wie ein Krebsgeschwür“, fällt wie stille Regentropfen. Die Menschen verneigen sich weiter vor ihrem Gott des Konsums und der Technik, den sie selbst geschaffen haben, und die Worte ihrer Propheten, die Werbung und die belanglosen Parolen, sind an die U-Bahn-Wände geschrieben und in den Klang der Stille geflüstert.

Es scheint paradox, dass ein Lied, das sich offensichtlich gegen eine Konsumgesellschaft, die so abhängig von Technologien und Medien ist, ausspricht, letztlich einer der meist geklickt- und gecoverten Songs überhaupt ist. Trotz der viralen Omnipräsenz verstehen viele die Botschaft nicht, da das Lied häufig auf die ersten Textzeilen reduziert wird. Doch selbst diese paar Zeilen reichen aus, um eine starke emotionale Reaktion auszulösen. So könnte man „Sound of Silence“ auch als lebendiges Mahnmal der Populärkultur verstehen.

Sowohl „Sound of Silence“ als auch die philosophischen Ansichten von Martin Buber und David Bohm betonen die transformative Kraft des Dialogs für den Frieden. Indem wir uns in den Dialog begeben, öffnen wir uns für den Austausch von Ideen und Perspektiven. Doch der Dialog ist auch ein radikales, subversives Unternehmen. Er löst alte Sicherheiten auf und schafft nicht sofort neue. So gilt es Verständnis, Empathie und Respekt füreinander zu entwickeln. Wir werden ermutigt, unsere Unterschiede zu überbrücken und nach gemeinsamen Werten zu suchen. Durch den Dialog können wir den Klang der Stille in eine Melodie des Friedens verwandeln, auf dem Weg zu Harmonie in einer zerrissenen Welt.


Dieser Artikel ist unter einer Creative CommonsLizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert.

Er ist am 24.6.2023 bei Manova (Rubikon) für die Friedensnoten erschienen und am 14.7.2023 bei Radio München.

Wir schreiben Geschichte #86: Kerstin B.

Kerstin B. ist Lehrerin.

1. Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass da etwas auf uns zukommt, das uns alle betrifft?

Februar 2020

2. Was war für Sie in dieser Zeit am schlimmsten?

Die Lügen, die manipulierte Presse, unkritische Menschen, später Druck zur Impfung, Streit innerhalb der Familie, Auseinandersetzung, Arbeitsverlust, wie man mit Kindern und Jugendlichen umgegangen ist.

3. Gibt es auch etwas, von dem Sie im Nachhinein sagen würden, da ist etwas Gutes passiert, das ohne diese Krise nicht möglich gewesen wäre?

Vernetzung mit kritischen denkenden Menschen, Turbo zur Selbstermächtigung, Ausbildung zum geistigen Heilen, Stopp der Konsumhaltung für kurze Zeit (weniger Verkehr etc.).

4. Was war für Sie besonders hilfreich, um gut durch die Krise zu kommen?

Gute Freunde, mein Partner, Verbindung zu mir selbst und meinen Liebsten, Abgrenzung von Massenmedien, auf die Straße gehen für Demokratie und Grundrechte.

5.  Stellen Sie sich vor, mitten in dieser schwierigen Zeit wäre eine gute Fee dagewesen, die Ihnen einen Herzenswunsch erfüllt hätte. Was hätten Sie sich gewünscht?

Dass die Menschen aufwachen und merken, dass sie belogen werden.

6. Gab es etwas, das Sie wütend gemacht hat?

Dass die Menschenrechte in Österreich nicht gewahrt wurden, dass nur auf das Virus fokussiert wurde, dass die Pfleger:innen nur beklatscht wurden und sich nichts an deren Arbeitssituationen verbessert hat, dass viele wie Schafe der Angstmache glaubten, dass es viele ohne Rückgrat und Mut gibt.

7. Gab es etwas, von dem Sie sagen würden, das war eine Schande oder dafür muss man sich schämen?

Österreich und die Impfpflicht, unfassbar.

8. Viele Leute berichten, dass es für sie auch eine Zeit voller Angst gewesen ist. Wie war das bei Ihnen? Und wie sind sie damit umgegangen?

Angst vor Mobbing in der Arbeit, das war auch tatsächlich so, ich als Maßnahmenkritikerin und ungeimpft.

9. Gibt es Personen, mit denen Sie sich entzweit haben? Wie sind Sie damit umgegangen?

In Distanz gegangen, nicht zerstritten, aber auf Abstand.

10. Gibt es Personen, die Sie während der Krise aufgrund ihres Verhaltens bewundert haben oder die sich Ihre Achtung verdient haben?

Ja.

11. Inwiefern hat Sie diese Krise geprägt? Gab es Talente oder Fähigkeiten, die Sie hervorholen oder entwickeln mussten?

Ja, Selbstermächtigung, Reden auf Kundgebungen halten.

12. Stellen Sie sich vor, eines Tages hätten Sie die Gelegenheit, einer Schulklasse, die zu dieser Zeit noch nicht auf der Welt war, von Ihren Erlebnissen zu erzählen. Gibt es so etwas wie eine Lehre oder einen Tipp, den Sie den Kindern mitgeben könnten?

Nicht alles glauben, was im Mainstream gesagt wird, selbst nachforschen, nachrechnen und nachdenken, mutig sein.

13. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft tun könnten, was denken Sie aus heutiger Sicht, wie könnte unsere Welt in einigen Jahren aussehen?

Viele alte kaputte Systeme krachen zusammen.

14. Möchten Sie noch etwas erzählen, nach dem nicht gefragt wurde?

Ich finde es grauenhaft, dass Menschen vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt wurden, weil sie sich nicht mit der neuen mRNA Technologie impfen lassen wollten, es war ganz, ganz unfassbar in Österreich. Das gehört aufgearbeitet und möge es nie wiederkommen.

Persönliche Einstellungen: Frage #4.4

Dieser Abschnitt umfasst Antworten, die sich auf persönliche Einstellungen und individuelle Eigenschaften wie Optimismus, Selbstvertrauen, Intuition und innere Stabilität beziehen.

Optimismus

Optimismus stärkt die mentale Widerstandsfähigkeit und hilft dabei, schwierige Situationen besser zu bewältigen. Indem wir eine positive Einstellung bewahren und an unsere Fähigkeit glauben, Herausforderungen gewachsen zu sein, können wir unsere Resilienz stärken und uns schneller von Rückschlägen erholen.

Das fördert eine lösungsorientierte Denkweise. Statt sich ausschließlich auf die Probleme und Hindernisse zu konzentrieren, suchen optimistisch eingestellte Menschen nach Möglichkeiten und potenziellen Lösungen, um Hindernisse zu überwinden.

Positive Emotionen wie Hoffnung, Zuversicht und Freude verstärken sich und helfen dabei, den Stress, der mit Krisen einhergeht, zu reduzieren. Das hilft, die allgemeine emotionale Gesundheit zu verbessern sowie die Stimmung und das Wohlbefinden steigern.

Wenn wir optimistisch sind, glauben wir daran, dass unsere Handlungen einen positiven Einfluss haben können. Die Bereitschaft steigt, aktiv zu werden und nach Lösungen zu suchen. Das gibt einen Motivationsschub und lässt die Energie und den Antrieb finden, Hindernisse zu überwinden und sich auf positive Veränderungen zu konzentrieren.

Optimisten stecken andere an und inspirieren. Dadurch wird auch der Aufbau eines sozialen Netzwerkes gefördert, der es erleichtert, gemeinsam durch schwierige Zeiten zu gehen.

So segensreich Optimismus ist, im Übermaß kann er besonders in Krisenzeiten zur potenziellen Gefahr werden. Etwa durch eine Verharmlosung der Realität, die zu unklugen Entscheidungen führen kann, durch Fehleinschätzungen, einer überbordenden Risikobereitschaft, der Tendenz Probleme zu bagatellisieren und damit notwendige Schritte aufzuschieben. Aber auch durch Enttäuschung, wenn sich die Realität nicht mit den überhöhten Erwartungen und Hoffnungen deckt. Das kann zu Frustration, Resignation und einem Einbruch des Selbstvertrauens führen.

Es ist also wichtig, einen ausgewogenen Ansatz zu verfolgen und sowohl Optimismus als auch Realismus miteinander zu kombinieren. Optimistisch bleiben, aber auch die Realität anerkennen, Risiken angemessen einschätzen und aufmerksam bleiben. Eine kritische Denkweise und das Abwägen von Informationen sind entscheidend für kluge Entscheidungen in Krisenzeiten.

Optimismus fördern

Wie lässt sich ein gesundes Maß an Optimismus fördern? Eine positive Einstellung muss man kultivieren. Lenkt man seine Aufmerksamkeit immer wieder auf positive Erlebnisse – in der Vergangenheit, in der Gegenwart, werden sich auch die Denkmuster der Zukunftserwartung verändern. Auch hier ist therapeutisches Schreiben eine hervorragende Methode. Etwa in Form eines Dankbarkeitstagebuches oder biografischem Schreiben, das sich der Selbstreflexion widmet, und dokumentiert, wie man bereits schwierige Situationen bewältigt hat und persönlich daran gewachsen ist.

Der Umgang mit optimistischen Menschen steckt an. Ebenso wie der mit notorischen Miesepetern und Schwarzsehern. Erfolge wollen gefeiert werden! Ziele, die erreicht wurden und deren Erreichen entsprechend gewürdigt wurde, tragen zu einer positiveren Lebenseinstellung bei. Und nicht zuletzt helfen Meditation und Achtsamkeitspraktiken dabei, den Geist zu beruhigen, negative Gedanken loszulassen und eine gelassene Haltung zu entwickeln.

Selbstvertrauen

Selbstvertrauen stärkt die Widerstandsfähigkeit und gibt die nötige Stärke und den Glauben daran, dass man Rückschläge überwinden kann. Es hilft, bessere Entscheidungen zu treffen und den eingeschlagenen Weg selbstbewusst zu verfolgen.

Wer an sich selbst glaubt, ist eher bereit, Schritte zu unternehmen und aktiv nach Lösungen zu suchen. Selbstvertrauen macht Mut, aus der Komfortzone herauszutreten, Risiken einzugehen und Hindernisse zu überwinden.

Wenn man weniger anfällig ist für Selbstzweifel und negative Gedanken, kann man besser mit Stress umgehen und ist mental belastbarer.

Das Bewusstsein um die eigenen Stärken strahlt aber auch nach außen. Dadurch, dass man zeigt, dass man in schwierigen Zeiten standhaft bleibt und Herausforderungen mit Zuversicht und Entschlossenheit entgegengeht, kann man andere inspirieren und motivieren.

Selbstvertrauen fördern

Was kann man tun, um das Selbstvertrauen zu stärken?

Da ist natürlich ein individueller Prozess, der Zeit und Geduld erfordert. Sich neuen Herausforderungen zu stellen und laufend an sich zu arbeiten, ist erforderlich, um zu wachsen. Eine gute Methode der Selbstreflexion ist es, seine inneren Dialoge zu beobachten und nagende Zweifel und destruktive Kritik nach und nach durch positive Selbstgespräche zu ersetzen. Dazu gehört es auch aus Fehlern zu lernen. Innere Dialoge kann man besonders gut mit therapeutischem Schreiben verändern. Generell ist es wichtig, sowohl für sich selbst gut zu sorgen, als auch eine unterstützende, fördernde Umgebung zu schaffen.

Intuition

Manchmal haben wir unbewusst Zugang zu Informationen und Erfahrungen, die uns bei der Entscheidungsfindung helfen können. Wenn wir auf unsere innere Stimme und unser Bauchgefühl hören, können wir schneller handeln und Entscheidungen treffen, die für uns stimmig sind. Das öffnet für neue Perspektiven und schenkt unerwartete Gelegenheiten, die nie in Betracht gezogen wurden.

Indem man sich auf seine innere Weisheit besinnt, kann man sein Selbstverständnis erweitern, seine Werte überdenken und eine klarere Vorstellung davon entwickeln, was wichtig ist.

Durch das bewusste Zuhören auf unsere innere Stimme können wir uns daran erinnern, dass wir die Fähigkeit haben, mit Krisen umzugehen und Herausforderungen zu bewältigen. So stärkt Intuition auch unser Selbstvertrauen.

In Krisenzeiten, in denen sich eine Situation schnell ändern kann, gibt das Achten auf subtile Signale und Hinweise in der Umgebung die nötige Flexibilität, um sich rasch anzupassen.

Auch hier ist es wichtig, sich nicht ausschließlich auf dieses Kriterium für Entscheidungen zu verlassen, sondern Verstand und Gefühl miteinander zu kombinieren. Denn so wertvoll die Intuition sein kann, auch sie hat ihre Fallstricke.

So kann sie manchmal von Vorurteilen beeinflusst oder emotional verzerrt sein, weil wir gerade von Angst oder Euphorie überwältigt sind. Intuition ist etwas Individuelles und basiert auf unseren persönlichen Erfahrungen und unserem Wissen. Sind diese in bestimmten Bereichen nicht ausreichend, kann diese Entscheidungsinstanz alleine unzuverlässig sein. Eine Überschätzung der eigenen Intuition kann besonders in komplexen Situationen zu Fehlern führen. Sinnvollerweise nutzt man also alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für bessere und fundierte Entscheidungen.

Innere Stabilität

Innere Stabilität ist essenziell, um gut durch Krisenzeiten zu kommen. Hier sind einige Möglichkeiten, wie man innere Stabilität entwickeln kann:

Selbstfürsorge meint gut auf sich selbst zu achten. Das bedeutet, dass man für ausreichende Erholung sorgt, gesunde Gewohnheiten pflegt (wie ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf) und sich Zeit für Entspannung und Psychohygiene nimmt, als Grundlage für physische und emotionale Widerstandsfähigkeit.

Wenn starke Emotionen wie Angst, Unsicherheit und Stress auftreten, braucht man Techniken, um mit diesen Gefühlen umzugehen. Dazu gehören beispielsweise Atemübungen, Meditation, das Aufschreiben von Gedanken und Emotionen oder das Gespräch mit vertrauten Personen. Die bewusste Arbeit an der emotionalen Regulation gibt Halt.

Innere Stabilität kann durch die Fähigkeit entwickelt werden, Veränderungen zu akzeptieren und sich anzupassen. Dies bedeutet, sich auf das zu konzentrieren, was man kontrollieren kann, flexibel zu bleiben und sich auf Lösungen zu fokussieren, anstatt sich ausschließlich mit Negativem zu beschäftigen.

Soziale Unterstützung fördert ebenso die innere Stabilität wie auch sich mit seinen Werten und Zielen auseinanderzusetzen und den Sinn im Leben zu suchen (siehe Spiritualität).


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Wir schreiben Geschichte #85: Ekkehard G.

Ekkehard G., 59 Jahre, Innenarchitekt, Schreiner, Photograph und Astronom

1. Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass da etwas auf uns zukommt, das uns alle betrifft?

Mitte Januar 2020 habe ich von einem meiner engsten Vertrauten im Freundeskreis eine Mail erhalten. Die Nachricht enthielt nur zwei Sätze: „Seid Ihr vorbereitet? Es geht los!“. Im Herbst 2019 hatten wir lange Gespräche zu Vorgängen in Politik und Medien, Alternative ebenso wie Mainstream. Wir wussten intuitiv, dass etwas passieren würde, haben es gespürt. Doch niemand hat konkret an so ein großes Gesundheitsthema, geschweige denn an eine Pandemie gedacht. Was sich im Nachhinein aber als naheliegend entpuppte. Übrigens: Ich kannte das Wort Pandemie gar nicht, hatte immer nur von Epidemien gehört, oder von Grippewellen. Als dann von einer gefährlichen, hochansteckenden Atemwegserkrankung gesprochen wurde, fragte ich mich unmittelbar, weshalb das weltweit gleichzeitig stattfindet. Ungeachtet der Jahreszeiten, unabhängig von klimatischen und von Lebensbedingungen. Da wusste ich, dass gehörig nachgeholfen wurde.

2. Was war für Sie in dieser Zeit am schlimmsten?

Zunächst das extrem Diffuse der Vorphase, wie ich das nenne. Die Ahnung. Wie gesagt, ich wusste, dass etwas kommt, nur nicht wie sie es machen. Als dann der ARD-Newsticker lief, das muss der 12. März 2020 gewesen sein, schien es mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Ich war im Büro bei der Arbeit und habe auf einem zweiten Bildschirm pausenlos die Schlagzeilen, die im Telegrammstil präsentiert wurden, durchlaufen lassen. Plötzlich erkannte ich ein Muster. Mit Besinnung auf meine Stärken und meiner inneren Ruhe habe ich versucht kommende Schlagzeilen vorauszusagen. Ich lag oftmals richtig. Seltsam war die Stimmung in unserem Großraumbüro. Niemand sagte etwas, ich wusste nicht mal, ob die anderen etwas wussten oder ahnten. Im Zustand der Sammlung war ich aber auch nicht in der Lage, Themen anzusprechen. Das fühlte sich nicht gut an.

3. Gibt es auch etwas, von dem Sie im Nachhinein sagen würden, da ist etwas Gutes passiert, das ohne diese Krise nicht möglich gewesen wäre?

Ja, natürlich. Aber es hat sehr lange gedauert, bis sich positive Gedanken und Gefühle wieder überwiegend entfalten konnten. Diesen Vorgang zu erleben, war in sich selbst bereits gut. Und dann hatte ich begonnen zu schreiben, war oft draußen in der Natur, auch nachts, und habe Sterne geschaut. Ich habe meine Gedanken und Beobachtungen, insbesondere aber Fragen zum Zeitgeschehen aufgeschrieben. Das war ab April 2020. Im Winter 2020 nannte ich diese Aufzeichnungen dann „Meine neunzig Fragen an die Zeugen Coronas“, denn ich hatte alles in Fragen, größtenteils sogar in Suggestivfragen formuliert. Gut war, über das Schreiben Ordnung, Klarheit und Ruhe zu finden. Die Krise befeuerte aber nur die Inhalte, die Analyse, die Beobachtungen und Reflexionen. Schreiben selbst hatte ich mir schon früher als guten Weg bewahrt.

4. Was war für Sie besonders hilfreich, um gut durch die Krise zu kommen?

Immer wieder lange Gespräche mit Freunden und in der Familie, auch wenn es zuweilen kontrovers wurde. Manchmal zweifelte ich an meinen Beobachtungen zum Zeitgeschehen. Bedingungslosen Rückhalt, inhaltliche und philosophische Anregungen zu bekommen und selbst geben zu können, war besonders hilfreich. Es war auch hilfreich, um das Gefühl einer immer wiederkehrenden schemenhaften Unwirklichkeit „da draußen“ zwar wahrzunehmen, aber nicht zu nahe herankommen zu lassen. Das ist dennoch geschehen. Die frühere Unbeschwertheit, die Unbekümmertheit und eine bestimmte Sorglosigkeit, wie man sie aus jungen Jahren kannte, liegt seither wie unter einem Erdrutsch verschüttet. Es hilft nur weitergraben und wieder ins Freie zu gelangen.

5.  Stellen Sie sich vor, mitten in dieser schwierigen Zeit wäre eine gute Fee dagewesen, die Ihnen einen Herzenswunsch erfüllt hätte. Was hätten Sie sich gewünscht?

Dass sie in jedem Fall ohne Maske mit mir spricht und gleichzeitig alle Masken wegzaubert.

6. Gab es etwas, das Sie wütend gemacht hat?

Ja, die Borniertheit mancher Menschen, selbst offensichtlichste Lügen und mathematische Fehler in den präsentierten Zahlen, Statistiken und Bildern einfach nicht zu erkennen. Und der fest zementierte Glaube, Masken würden schützen. Ich glaubte das einfach nicht, und eine einfache Rechnung zur Größe von Maskenporen im Verhältnis zu Viren hat mich sofort überzeugt. Wütend war ich, weil ich empfand, verordnetes Maskentragen ist ein Dressurakt zur Obrigkeitshörigkeit und eben eine gut geschmierte Gesundheitsschutz-Show. Wirklicher Gesundheitsschutz geht anders. Ich habe Menschen gesehen, die alleine morgens um sieben Uhr über den Marktplatz gelaufen sind, mit Maske. Nur, weil da so ein Schild an der Ecke stand. Das hat mich wütend gemacht. Ich konnte eine ganze Zeit lang nicht erkennen, wie einfach Angst erzeugt werden kann, und dass zahlreiche meiner Mitmenschen tatsächlich unter Angst litten. Eine Angst, die klares Denken und Handeln offensichtlich verhindert, wie ich jetzt weiß.

7. Gab es etwas, von dem Sie sagen würden, das war eine Schande oder dafür muss man sich schämen?

Nein, so würde ich das nicht sagen. Ich erlebe diese Zeit als ein Zeitalter der inversen Prozesse. Alle Logik und bodenständiges, ehrliches, analoges, altes bewährtes Denken und Handeln wird auf den Kopf gestellt. Die Diffamierungen, Ausgrenzungen und Denunziationen, insbesondere aber eine massive Täter-Opfer-Umkehr und die Zerstörung der Sprache, sind so tiefgreifende Vorgänge, dafür reicht das Wort Schande nicht. Im Versuch, wahre Täter oder zumindest Teilnehmer zur Förderung dieser inversen Prozesse zu verstehen, muß man sich auch nicht schämen, oder für sie schämen, sondern vielmehr Themen offen und unmittelbar ansprechen. Aber das gelang mir auch nicht immer so wie ich mir das selbst gewünscht hätte. Da sind sie wieder, die Wünsche an die gute Fee….

8. Viele Leute berichten, dass es für sie auch eine Zeit voller Angst gewesen ist. Wie war das bei Ihnen? Und wie sind sie damit umgegangen?

Ich habe keine Angst vor Viren und Krankheit. Sehr viel mehr Unsicherheit machte mir das Vorausschauen und ein Vorhersehen von politischen Maßnahmen. Das, was noch kommen mag oder sicher kommen wird. Vieles zeichnet sich geradezu drehbuchartig ab. Mulmig wurde mir bei dem Gedanken, äußere Prozesse würden unumkehrbar werden, und zu Verhaltensmodifikationen mit bleibenden Mustern und Strukturen bei den Menschen führen. Was offensichtlich auch geschah. Den Angriff auf uns habe ich wohl gesehen, aber Angst würde ich es dennoch nicht nennen. Ich musste mich auch nicht erst auf meine Stärken besinnen, ich verlasse mich auf sie, sie sind immer da. Meinem Naturell nach bin ich ein sehr loyaler Mensch. Der aber sehr wohl ungehorsam sein kann. Zum Beispiel dann, wenn mir Regeln oder stumpfe Behauptungen als zu dumm und blöde erscheinen, oder wenn sie eklatant der Mathematik und Logik widersprechen. Auch habe ich mir stets einen humorvollen Umgang und entsprechende Sicht aufrechterhalten. Ab und an eine konsequente Medienpause zu machen, war ebenfalls gut.

9. Gibt es Personen, mit denen Sie sich entzweit haben? Wie sind Sie damit umgegangen?

Entzweiung gab es nicht wirklich „physisch“, wenn man das so sagen kann. Wohl aber ein Auseinanderdriften geistig-seelischer Art, mit vielen Bekannten und einigen Freunden. Sehr schmerzte mich wahrzunehmen, wie manche meiner Zeitgenossen im näheren Umfeld und auch fast alle meiner Arbeitskollegen scheinbar wie gelähmt waren. Vertraute Menschen, die sich meiner Empfindung nach nicht mehr weiter entfalten, und sich mit den neuen Themen weder auseinander- noch zusammensetzen. Versuche, mit Arbeitskollegen über aktuelle Themen zu sprechen, sind fast immer gescheitert. Es wurde einfach schlagartig das Thema gewechselt. In der Nicht-Auseinandersetzung mit dem, was uns alle betrifft, fand schon eine Spaltung statt. Obwohl das Team gemeinsam erfolgreich an aktuellen Projekten weitergearbeitet hat. Diese spezielle Schizophrenie habe ich aber verstanden und wohl deshalb als eindimensionale Parallelwelt einfach stehen lassen können, ohne meine Loyalität im gesunden Wechselspiel mit Ungehorsam aufzugeben.

10. Gibt es Personen, die Sie während der Krise aufgrund ihres Verhaltens bewundert haben oder die sich Ihre Achtung verdient haben?

Ja, meine liebe Frau. Dass sie es mit mir aushält. Ich kann da schon energisch nachbohren und immer weiter fragen. Aber wenn’s zu viel wird, sagt sie’s mir schon. Alle, die sich wehren und alle, die selbstständig denken, gründlich recherchieren und sagen, was sie denken, bekommen meine Achtung. Es wird uns nicht leicht gemacht, daher bewundere ich Ehrlichkeit und Beharrlichkeit. Damit möchte ich nicht sagen, Mitläufer und Konformisten verdienen meine Verachtung. Wir werden alle verführt, bloßgestellt, missbraucht, verraten und verkauft. Das zu erkennen, setzt Achtung voraus.

11. Inwiefern hat Sie diese Krise geprägt? Gab es Talente oder Fähigkeiten, die Sie hervorholen oder entwickeln mussten?

Geprägt würde ich nicht sagen. Manches ist tiefer geworden, anderes ist in den Hintergrund gerückt. Wie immer im Leben. Talente oder Fähigkeiten musste ich nicht entwickeln, sondern vielmehr erinnern und neu verknüpfen. Manches war auch eine Kopfgeburt. Der Versuch mich politisch in einer Partei zu engagieren ist gescheitert, als ich merkte, dass ich gar nicht „klassisch“ politisch denken und handeln kann. Meine Basis ist die des langen, unvoreingenommenen Gesprächs, am liebsten zu zweit oder im kleinen Kreis. Das Entwickeln von Ideen, das gemeinsame Erkennen von Sichtweisen, und dann mal sehen, wohin es uns führt.

12. Stellen Sie sich vor, eines Tages hätten Sie die Gelegenheit, einer Schulklasse, die zu dieser Zeit noch nicht auf der Welt war, von Ihren Erlebnissen zu erzählen. Gibt es so etwas wie eine Lehre oder einen Tipp, den Sie den Kindern mitgeben könnten?

Ich denke, Bildung vollzieht sich vollkommen anders als durch Lehre oder gar durch Tipps geben. Im freien absichtslosen Spiel vollzieht sich Bildung aufgrund von Persönlichkeit. Das Überzeugende dabei ist nicht Wissen oder Schlauheit oder Gerissenheit, sondern vielmehr Ehrlichkeit und Augenhöhe, und Gleichberechtigung. Erlebnisse erzählen, ohne Absicht und Besserwisserei. Insofern habe ich keine Lehre. Viel eher möchte ich auf das eingehen, was Kinder mitbringen. Zu sehen, wo sie gerade sind, mit ihren Wünschen, Ängsten und ihren Vorstellungen. In der Schule hatte ich mir immer gewünscht, statt das Fach Geschichte, das Fach Zukunft zu haben. Sogenannte geschichtliche Fakten und Jahreszahlen aufzählen half noch nie wirklich weiter. Bedeutend wichtiger finde ich das Erkennen von Mustern, Strukturen und Zusammenhängen. Die einfache Aussage „Das darf sich niemals wiederholen“ läuft ganz sicher ins Leere. Sollte es sich ergeben, würde ich jungen Menschen beispielsweise die Schriften „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegenüber dem Staat“ und „Walden, oder Leben in den Wäldern“ des Nordamerikaners Henry David Thoreau aus den Jahren um 1850 vorlesen. Und natürlich Michael Ende. Seinen epochalen „Brief an einen Welterklärer“. Oder „Über das Ewig-Kindliche“ und die „Gedanken eines zentraleuropäischen Eingeborenen“. Könnten wir das weitergeben in der Art wie es uns in jungen Jahren gegeben wurde, wäre das sehr gut denke ich.

13. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft tun könnten, was denken Sie aus heutiger Sicht, wie könnte unsere Welt in einigen Jahren aussehen?

Wenn Kräfte und Gegenkräfte dazu führen, Gemeinsamkeiten von Lebensgebärden zu finden und zu formulieren, um ein positives Menschenbild zu entwickeln, eines, das vom Maschinendenken, vom daten- und digitalen Denken bezogen auf unsere Innenwelten wegkommt, wird es besser. Der Lebensraum wird wieder regionaler und überschaubarer werden. Er wird in unseren kleineren Maßstäben gesehen werden können. Analog! Das bedeutet weg vom großen Nichts astrophysikalischer Gesetze der Entropie, weg von der Globalisierung, weg von der WHO, weg vom Verhältniswahlrecht und Parteienlisten, und zum Beispiel hin zu regionaler Produktion mit kurzen Verteilwegen, vielleicht sogar hin zu eigenen Landeswährungen. Gib dem digitalen Zentralbankgeld keine Chance! Annahmeverweigerung jetzt! Dann wird es sicher besser.

14. Möchten Sie noch etwas erzählen, nach dem nicht gefragt wurde?

Spontan denke ich an Ostersonntag 2020, als Bill Gates einen beeindruckenden neun-Minuten-Auftritt in den Tagesthemen hatte, unter anderem mit seiner Aussage: „Wir werden letztendlich sieben Milliarden Menschen impfen.“ Spontan fragte ich mich: Warum wird das am höchsten Feiertag gebracht? Ein Tag an dem die Menschen weiß Gott anderen Themen und der Familie zugewandt sind. Und: Wer ist „wir“? Warum letztendlich? Schließlich: Warum nur sieben Milliarden? Wir sind doch mehr als 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde?… Als er dann seine Lippen etwas zusammenpresste, den Kopf leicht zur Seite legte und ein bestimmtes Grinsen zeigte, wusste ich: Wir haben es mit Psychopathen in den NGO’s und unseren Regierungen zu tun! Daher mein Rat, nicht nur an Kinder: Selbst denken, stellt Fragen!

Dialog mit Respekt: Solidarität

Solidarität ist ein starkes Wort. Mehr denn je ist sie in vielen Lebensbereichen gefordert: In Zeiten der Pandemie, im Zuge des Ukrainekrieges, im Umgang mit der Zuwanderung, in Fragen der Demokratie, der sozialen Ungleichheit, von Klima- und Umweltschutz.

In Verruf geriet Solidarität, als jeder für sein Glück und seine Not selbst verantwortlich gemacht wurde. Die Gesellschaft ist heute tiefer denn je gespalten. Um das zu überwinden, brauchen wir ein neues Verständnis von Solidarität. Was, wenn Solidarität nicht dort aufhört, wo die schlimmste Not gelindert ist, wenn sie kein begrenzter, unliebsamer Kraftakt bleibt, sondern eine freie Entscheidung zur Mitmenschlichkeit wird, wenn wir uns selbst im anderen wiedererkennen?

Fragen für den Dialog

  • Was bedeutet für mich Solidarität?
  • Welche Licht- und Schattenseiten hat Solidarität?
  • Wie könnte Solidarität von einem Kraftakt zu einem Faktor des Wohlbefindens werden?

Literatur zum Einlesen

Bude, Heinz. Solidarität: die Zukunft einer großen Idee. München, Carl Hanser Verlag, 2019. Hier gehts zur Leseprobe.

https://www.juraforum.de/lexikon/solidaritaet

https://www.liberties.eu/de/stories/solidaritaet/44290


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Wir schreiben Geschichte #84: Flo Osrainik

Dieser Beitrag von Flo Osrainik erschien am 2.6.2023 bei Manova unter dem Titel: Die prägende Krise.

Flo Osrainik ist in München geboren und aufgewachsen. Der Deutsch-Österreicher ist heute als freier Journalist und Autor tätig. Er lebt und arbeitet in München und Istanbul. Er hat unter anderem Beiträge für RT Deutsch, junge Welt, Telepolis, amerika21, Hintergrund sowie das Weblog NEOPresse verfasst. Außerdem ist er Vorstandsmitglied von acTVism Munich. Weitere Informationen unter www.floosrainik.net. 

Sein neues Buch "Lügen, Lügen, Lügen" erscheint am 12.6.2023.

Ein in seinen Auswirkungen bösartiger Wahn hatte sich in der Coronazeit der meisten unserer Zeitgenossen bemächtigt und ließ die schlafenden Schattenseiten von so manchem braven Demokratiebürger erwachen. So oder so formt eine Krise dieses Formats jene Menschen, die sie durchleben müssen: die Angepassten wie auch die Rebellen. Osrainik war einer der Skeptiker und Mahner der ersten Stunde. Mit seinem Bestseller „Das Corona-Dossier“ schuf er eine tief gehende Chronik der Ereignisse. Im Interview mit Alexandra Streubel erzählt der Journalist, wie ihn ein intaktes Kontaktnetz aus eigenständig denkenden Menschen durch die schwere Zeit getragen hat. Verloren hat er wegen „Corona“ zum Glück relativ wenig — nur ein paar Restillusionen über die Wesensart seiner Mitbürger. An jüngere Menschen hat Flo Osrainik vor allem einen Rat: Lasst euch nichts vormachen und lasst euch nicht verbiegen!

Alexandra Streubel: Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass da etwas auf uns zukommt, das uns alle betrifft?

Flo Osrainik: Es muss Anfang Februar 2020 gewesen sein. Ich war bei einem Freund in Vietnam. Als er mich zum Flughafen brachte, ist uns aufgefallen, dass fast alle OP-Masken trugen. Wenig später kamen die ersten Maßnahmen, und mir wurde langsam klar, dass hier was nicht stimmte. Mein erster kritischer Artikel zu Corona wurde am 24. März 2020 bei Rubikon veröffentlicht. Dieser Artikel war die Grundlage für mein Buch »Das Corona-Dossier«.

Was war für Sie in dieser Zeit am schlimmsten?

Na ja, neben den ganzen Grund- und Menschenrechtsverbrechen, den Widersprüchen oder Lügen des Corona-Regimes und seiner Claqueure aus allen Lagern und Schichten rund um den Globus, die Naivität, Hysterie, Gehässigkeit und Skrupellosigkeit des Mainstream-Mobs. Und das unabhängig davon, ob es sich um angebliche Freunde, Familienmitglieder, Nachbarn oder sonst wen gehandelt hat.

Gibt es auch etwas, von dem Sie im Nachhinein sagen würden, da ist etwas Gutes passiert, das ohne diese Krise nicht möglich gewesen wäre?

Ja, gewiss auch das. Es haben sich alte Freundschaften bewährt, und neue Freundschaften sind entstanden. Nicht nur, um sich gegenseitig zu unterstützen, zu inspirieren und Freiräume zu schaffen, sondern auch, um Widerstand zum Schutz unserer Grundrechte und Freiheit zu leisten. Und diese gestärkten Freundschaften und neuen Kreise bestehen.

Was war für Sie besonders hilfreich, um gut durch die Krise zu kommen?

Neben einem gesunden Menschenverstand und einem starken Charakter auch der unbesiegbare Drang zur Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Dazu kam die Stärkung durch die Gemeinschaft und Vernetzung mit Freunden und Gleichgesinnten, um sich seiner Freiheiten und Rechte eben nicht und erst recht nicht so, also mit Lügen, Hysterie und Hass berauben lassen zu wollen.

Stellen Sie sich vor, mitten in dieser schwierigen Zeit wäre eine gute Fee da gewesen, die Ihnen einen Herzenswunsch erfüllt hätte. Was hätten Sie sich gewünscht?

Dass die Welt erkennt, wie verlogen das System der Fremdherrschaft ist, und sich von der Tyrannei der Herrschaft von Menschen über Menschen befreit. Dann wäre diese politisch gemachte und global-faschistoide Coronakrise nicht nur von heute auf morgen passé gewesen, sondern auch so ziemlich alles, was es auf dem Planeten an Armut und Ungerechtigkeiten gibt, recht schnell ins Museum der menschlichen Irr- und Abwege verbannt worden.

Gab es etwas, das Sie wütend gemacht hat?

Ja, etwa dass die gute Fee nicht kam und noch immer weit und breit nichts von ihr zu sehen oder zu hören ist.

Gab es etwas, von dem Sie sagen würden, das war eine Schande oder dafür muss man sich schämen?

Aber ganz bestimmt. Die vielen Lügen und Hasstiraden, die geforderten und begangenen Grund- und Menschenrechtsverbrechen, die Schikanen und Kinderschändungen, das Denunziantentum oder die Totalüberwachung bis in die Schlafzimmer. Es sprengt aber den Rahmen, wenn ich hier den Versuch einer Auflistung unternehmen würde. Deswegen möchte ich an dieser Stelle besser an die vielen und mutigen Chronisten und Autoren, die jene Verbrechen dokumentiert haben, erinnern. Etwa an das Buch »Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen«, an Internetseiten wie »Wir vergessen nicht«, aber auch an meine »Chronik einer Abrechnung« und so viele mehr.

Viele Leute berichten, dass es für sie auch eine Zeit voller Angst gewesen ist. Wie war das bei Ihnen? Und wie sind Sie damit umgegangen?

Angst würde ich es nicht nennen, eher eine Melange aus Wut, Empörung und Tatendrang, aus Entschlossenheit, Stolz und Haltung, eben ein Zustand, der einen wegen dieser schier immer wiederkehrenden und scheinbar konstanten Naivität der Massen gegenüber der Macht, also irgendeiner Art von Obrigkeit, und der Unterwürfigkeit vor Verzweiflung mal zum Heulen und mal zum Lachen bringt. Ich habe versucht, einem den Umständen geschuldeten, aber unerschütterlichen Rest Humor und Ungehorsam auszuleben sowie schonungslos über diesen epochalen Irrsinn aufzuklären.

Gibt es Personen, mit denen Sie sich entzweit haben? Wie sind Sie damit umgegangen?

Nein. Ich habe zum Glück einen recht starken und kritischen Freundeskreis. Und die in dieser Zeit unkritischen Freunde sind nicht in Hysterie verfallen und haben andere Entscheidungen und Ansichten sehr wohl respektiert und sich weder an Ausgrenzung, Diffamierung und Hetze oder sonstigen Peinlichkeiten beteiligt. Das gilt auch für meinen engeren Familienkreis. Um die übrigen Personen, die überzeugt im Strom der Selbstgerechten mitgeschwommen sind, mache ich, sofern ich davon weiß, einen Bogen und beschränke mich auf das Nötigste.

Ich muss nicht mit jedem klarkommen, höchstens nebeneinander leben und leben lassen. Ich muss auch nicht jedem vergeben, erst recht nicht, wenn es an Einsicht, Demut und Vergebung fehlt, denn diese Menschen werden dieselben Verbrechen unter einem anderen oder ähnlichen Vorwand wieder mitmachen.

Gibt es Personen, die Sie während der Krise aufgrund ihres Verhaltens bewundert haben oder die sich Ihre Achtung verdient haben?

Außer den tapferen Kindern bewundere und achte ich alle Menschen, die sich gegen Unrecht ein- und zur Wehr setzen und den Mut zu einer eigenen und kritischen Meinung haben. Erst recht, wenn die Meinung der herrschenden Meinung des Regimes im Weg steht und so intensiv, rigoros und unverblümt mit allen Mitteln der Macht zum Schweigen gebracht werden soll. Meine Bewunderung und meine Achtung, mein Respekt und meine Unterstützung gelten jenen Menschen, und zwar unabhängig von ihrer gesellschaftlichen und politischen Herkunft oder anderer vermeintlicher Unterteilungsmerkmale.

Inwiefern hat Sie diese Krise geprägt? Gab es Talente oder Fähigkeiten, die Sie hervorholen oder entwickeln mussten?

Diese gemachte Welt-Krise war und bleibt einmalig erschreckend, weshalb sie allen wachen und seitdem auch wach gewordenen Geistern unbedingt eine dringende und letzte Warnung sein sollte, wohin die global-gesellschaftliche Reise schleichend geht, wenn sich nichts ändert. Mich hat diese Krise also sehr wohl geprägt, das heißt, noch weiter sensibilisiert und gestärkt, was auch für verschiedene Talente und Fähigkeiten zutrifft. Wir lernen schließlich alle ein Leben lang und niemals aus.

Stellen Sie sich vor, eines Tages hätten Sie die Gelegenheit, einer Schulklasse, die zu dieser Zeit noch nicht auf der Welt war, von Ihren Erlebnissen zu erzählen. Gibt es so etwas wie eine Lehre oder einen Tipp, den Sie den Kindern mitgeben könnten?

Ja, unbedingt. Lasst euch bitte niemals etwas vormachen, werdet nicht unterwürfig, dafür aber kreativ. Lasst euch den Spaß und die Freude am Leben, das Lachen und Spielen, eure Rechte und Freiheiten bloß nicht und niemals nehmen. Achtet aufeinander, hinterfragt die Welt der Erwachsenen, hört auf eure Gefühle und lasst euch nicht manipulieren oder verbiegen. Bleibt ihr selbst und selbstbestimmt. Achtet und schätzt die Vielfalt, respektiert einander und steht füreinander ein, dann gehört die Zukunft euch und sie wird schön.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft tun könnten, was denken Sie aus heutiger Sicht, wie könnte unsere Welt in einigen Jahren aussehen?

Wenn die Kinder und Jugendlichen, also die Nachkommenden, das beherzigen, dann wird es eine gute, gerechte und selbstbestimmte, eben eine wunderbare Zukunft, und die Utopie wird wahr. Wenn nicht, dann müssen wir womöglich doch noch kämpfen, um der Despotie und drohenden Dystopie endlich und endgültig eine Absage zu erteilen.

Möchten Sie noch etwas erzählen, nach dem nicht gefragt wurde?

Nein, aber ich möchte ein neues Bewusstsein einfordern und dazu auffordern, sich selbst zu ermächtigen und entschlossen zu handeln.

Wir schreiben Geschichte #83: Sylvia Kreuz

Sylvia Kreuz, Mutter und Lehrerin 

1. Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass da etwas auf uns zukommt, das uns alle betrifft?

Circa Januar 2020

2. Was war für Sie in dieser Zeit am schlimmsten?

Festzustellen, wie schnell angeblich gebildete Menschen dazu verführt wurden, andere zu diskriminieren, auszugrenzen, anzuzeigen.

3. Gibt es auch etwas, von dem Sie im Nachhinein sagen würden, da ist etwas Gutes passiert, das ohne diese Krise nicht möglich gewesen wäre?

Mein kritisches Denken ist nicht kritischer geworden. Es hat sich gezeigt, welche Menschen in meinem Umfeld wirklich tolerant und gesprächsbereit sind.

4. Was war für Sie besonders hilfreich, um gut durch die Krise zu kommen?

Meine Familie, die Natur.

5.  Stellen Sie sich vor, mitten in dieser schwierigen Zeit wäre eine gute Fee dagewesen, die Ihnen einen Herzenswunsch erfüllt hätte. Was hätten Sie sich gewünscht?

Dass sie alle Lügner für alle sichtbar entlarvt und die Verantwortlichen dazu bringt, Fehler öffentlich einzugestehen, sich zu aufrichtig zu entschuldigen und aus all dem für die Zukunft zu lernen.

6. Gab es etwas, das Sie wütend gemacht hat?

Maßnahmen gegen Ungeimpfte.

7. Gab es etwas, von dem Sie sagen würden, das war eine Schande oder dafür muss man sich schämen?

Impfkampagnen.

8. Viele Leute berichten, dass es für sie auch eine Zeit voller Angst gewesen ist. Wie war das bei Ihnen? Und wie sind sie damit umgegangen?

Leben nach dem Motto: weitermachen, standhaft bleiben, abwarten, wie weit sie gehen.

9. Gibt es Personen, mit denen Sie sich entzweit haben? Wie sind Sie damit umgegangen?

Es bleibt die Enttäuschung.

10. Gibt es Personen, die Sie während der Krise aufgrund ihres Verhaltens bewundert haben oder die sich Ihre Achtung verdient haben?

Viele.

11. Inwiefern hat Sie diese Krise geprägt? Gab es Talente oder Fähigkeiten, die Sie hervorholen oder entwickeln mussten?

Kreativität, Organisationstalent, Einschätzung der eigenen Belastbarkeit.

12. Stellen Sie sich vor, eines Tages hätten Sie die Gelegenheit, einer Schulklasse, die zu dieser Zeit noch nicht auf der Welt war, von Ihren Erlebnissen zu erzählen. Gibt es so etwas wie eine Lehre oder einen Tipp, den Sie den Kindern mitgeben könnten? *

Wenn überhaupt, dann dies: hinterfragt eure Ängste.

13. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft tun könnten, was denken Sie aus heutiger Sicht, wie könnte unsere Welt in einigen Jahren aussehen?

Ich weiß es nicht.

14. Möchten Sie noch etwas erzählen, nach dem nicht gefragt wurde?

Viele Kinder und Jugendliche leiden. Körperlich und seelisch. Besonders diejenigen, die sich selbst nicht eingestehen dürfen, dass es ihnen schlecht geht.