Eigensinn – die kostbare Tugend

In einer Zeit, in der Konformität und Gehorsam als löbliche Tugenden gepriesen werden, hebt sich der Eigensinn als eine selten anerkannte, aber tiefgründige Tugend hervor. Diese Tugend, die als Gehorsam gegenüber dem eigenen inneren Gesetz verstanden wird, stellt einen radikalen Kontrast zu den von Menschen geschaffenen Gesetzen dar. Während konventionelle Tugenden Gehorsam gegenüber externen Regeln erfordern, basiert der Eigensinn auf dem treuen Folgen des inneren Kompasses.

Eigensinn - innerer Kompass

Die Natur des Eigensinns

Eigensinn bedeutet, einen eigenen Sinn zu haben und nach diesem zu leben. Alles in der Natur, vom kleinsten Stein bis zur prächtigsten Blume, folgt seinem eigenen inneren Gesetz. Diese innere Gesetzmäßigkeit macht die Welt vielfältig und schön. Menschen und ihre domestizierten Tiere sind die einzigen Wesen, die oft gezwungen sind, fremden, künstlichen Regeln zu folgen, anstatt ihrem natürlichen inneren Ruf zu gehorchen.

Eigensinn versus Gesellschaft

In der Gesellschaft wird Eigensinn oft als Laster oder unerwünschte Eigenart betrachtet. Nur in wenigen Fällen, wie bei Künstlern oder exzentrischen Persönlichkeiten, wird der Eigensinn als Originalität akzeptiert. Doch auch diese Akzeptanz ist begrenzt und gilt nur, solange der Eigensinn keinen Schaden für Kapital und Gesellschaft anrichtet.

Die meisten Menschen, die als charakterstark oder starke Persönlichkeiten bezeichnet werden, zeigen ihre eigenen Ansichten nur subtil, ohne wirklich nach ihnen zu leben. Ein wahrer Charakter, der nach seinen eigenen Vorstellungen lebt, wird oft nicht als tugendhaft angesehen, sondern als eigensinnig abgetan.

Die Helden des Eigensinns

Historisch gesehen, waren es oft die eigensinnigen Individuen, die gegen die herkömmlichen Gesetze verstießen und ihren eigenen Weg gingen, die später als Helden und Befreier gefeiert wurden. Sokrates, Jesus und Giordano Bruno sind Beispiele für solche tragischen Helden. Sie folgten ihrem eigenen inneren Gesetz, selbst auf die Gefahr hin, verurteilt oder getötet zu werden. Ihr Mut und ihre Treue gegenüber ihrem eigenen Sinn eröffneten der Menschheit neue Wege der Erkenntnis.

Das Tragische, ein oft missbrauchter Begriff, beschreibt genau dieses Schicksal eines Helden, der für seine Treue zum eigenen Stern zugrunde geht. Dieser Mut, gegen die hergebrachten Gesetze zu verstoßen, ist keine willkürliche Rebellion, sondern eine tiefere Treue zu einem höheren, heiligeren Gesetz.

Eigensinn und der moderne Mensch

In der heutigen Zeit wird der Begriff des Heldentums oft verzerrt. Soldaten, die im Krieg fallen, werden als Helden bezeichnet, obwohl ihr Tod oft das Ergebnis von Gehorsam gegenüber militärischen Befehlen ist. Echter Heroismus, so wie er durch den Eigensinn definiert wird, ist etwas, das nur der Einzelne, der seinem eigenen Sinn folgt, erreichen kann.

Ein Mensch, der seinen eigenen Eigensinn entdeckt und ihm folgt, legt wenig Wert auf Geld oder Macht, die nur als Ersatzmittel für fehlendes inneres Vertrauen dienen. Stattdessen schätzt er die geheimnisvolle Kraft in sich selbst, die ihn leben und wachsen lässt. Dieser wahre Eigensinn führt zu einem Leben, das reich an innerer Erfüllung und Freiheit ist, jenseits der von Menschen geschaffenen Regeln und Erwartungen.

Übung:

Stellen Sie fest, über wie viel Eigensinn Sie verfügen. Konstruieren Sie dazu anhand folgender Fragen Ihr persönliches Horrorszenario sowie Ihren persönlichen Glücksfall. Vergleichen Sie beides und überlegen Sie, wo auf der Skala zwischen Himmel und Hölle sich Ihr Leben gerade abspielt.

Wenn Sie Ihre persönliche Horror-Geschichte vervollständigt haben, lesen Sie sie noch einmal durch und erspüren Sie die Stimmung. Achten Sie gut auf Ihr Befinden! Ist er nicht grauenhaft, dieser Cocktail aus Wut, Verzweiflung, Angst, Hoffnungslosigkeit und Unbehagen? Sie würden am liebsten aus der Haut fahren, aber es fehlt Ihnen die Kraft dazu? So fühlt es sich an, wenn Ihr innerer Kompass: „NEIN!“ schreit. Und so sollten Sie sich eigentlich niemals fühlen.

Nun, wie fühlt sich diese Version an? Lesen Sie Ihren persönlichen Glücksfall noch einmal durch und lassen Sie sich in die Stimmung hinein fallen. Sie haben einen tiefen, befreienden Seufzer gemacht? Ihr Körper ist entspannt wie ein Kartoffelsack? Sie haben ein Lächeln im Gesicht? Ja, so ist es, wenn Ihr innerer Kompass sagt: „Da ist es schön. Da will ich hin.“

Zu schön, um wahr zu sein? Natürlich, da haben Sie völlig recht. In genau dieser Szene werden Sie vermutlich nie ankommen. Aber sie gibt Ihnen die Richtung an, den Kurs, den Sie nehmen müssen. Und wenn Sie diesen einschlagen, wird der Weg zum Ziel.

Eigensinn, als die Tugend des Gehorsams gegenüber dem eigenen inneren Gesetz, bietet eine tiefgreifende Alternative zu den konventionellen Tugenden der Gesellschaft. Er fordert Mut und Vertrauen in sich selbst und öffnet den Weg zu einem authentischen und erfüllten Leben. In einer Gesellschaft, in der Anpassung und Unterordnung gefordert wird, bleibt der Eigensinn eine stille, aber kraftvolle Erinnerung an die Bedeutung der inneren Stimme und des eigenen Weges.

Literatur:

Beck, M. (2001). Finding your own North Star: Claiming the life you were meant to live. Crown.

Iven, Ulrike. Hermann Hesse: Eigensinn. Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2013. https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/143_iven.pdf.

Streubel, A. (2004). Die Lebenswerkstatt. Handwerkszeug für ein gutes Leben. Eigenverlag.

Glücksbringer und Schutzzauber: Psychologie der Talismane

Ein Talisman ist ein Objekt, dem magische Eigenschaften zugeschrieben werden, die dem Träger Glück bringen oder ihn vor Schaden bewahren sollen. Diese Objekte sind oft mit symbolischer Bedeutung versehen und können verschiedene Formen annehmen, wie Amulette, Schmuckstücke, Steine oder andere kleine Gegenstände. Der Gebrauch von Talismanen erstreckt sich über viele Kulturen und historische Epochen, wobei jede Kultur unterschiedliche Kräfte und Bedeutungen mit diesen Objekten verbindet.

Europäische Talismane

Eigenschaften von Talismanen:

Talismane sind oft mit Symbolen und Inschriften versehen, die bestimmte Kräfte oder Segnungen heraufbeschwören sollen. Das können religiöse Symbole, mystische Zeichen oder kulturell bedeutsame Bilder sein. Manchmal wird ein Talisman mit dem Namen des Trägers versehen oder dem Wunsch, der damit verbunden ist.

Verwendet werden die unterschiedlichsten Materialien: Steine, Holz, Metalle, Kräuter, Stoffe und Garne, Zähne. Die Herstellung und Aktivierung eines Talismans kann spezielle Rituale oder Zeremonien umfassen, die darauf abzielen, dem Objekt seine magischen Eigenschaften zu verleihen.

Verwendung und Bedeutung:

Viele Talismane werden getragen, um den Träger vor negativen Einflüssen, Unglück oder bösen Geistern zu schützen. Andere sollen dem Träger Glück und Erfolg in verschiedenen Lebensbereichen bringen, sei es im Beruf, in der Liebe oder im Alltag. In einigen Kulturen werden Talismane auch verwendet, um Gesundheit und Heilung zu fördern, indem sie positive Energien kanalisieren. Heilsteine, Mala-Ketten, Kräuteramulette, die Hamsa-Hand oder das Auge des Horus, die Wu Lou Kalebasse, Runenamulette, geweihte Stoffe, Muscheln und Korallen sind Beispiele für Talismane als faszinierender Teil vieler Kulturen. Sie spiegeln die tief verwurzelten menschlichen Überzeugungen in das Übernatürliche und das Streben nach Schutz und Glück wider.

Psychologie der Talismane:

In der Psychologie kann der Glaube an Talismane verschiedene Aspekte der menschlichen Psyche und des Verhaltens beleuchten. Talismane sind nicht nur kulturell interessante Objekte, sondern auch psychologisch bedeutend, da sie Einblick in menschliche Überzeugungen, Ängste und Hoffnungen geben. Hier sind einige psychologische Aspekte des Glaubens an Talismane:

1. Placebo-Effekt:

Der Glaube an die Wirksamkeit eines Talismans kann ähnliche Effekte wie ein Placebo hervorrufen. Menschen, die an die Schutz- oder Glücksbringende Wirkung eines Talismans glauben, können tatsächlich positive Effekte erleben, weil ihre Erwartungen und ihr Glaube ihr Verhalten und ihre Wahrnehmung beeinflussen.

2. Kontrollillusion:

Der Glaube an Talismane kann das Gefühl der Kontrolle über unvorhersehbare oder stressige Lebensumstände verstärken. Dieses Gefühl der Kontrolle, auch wenn es illusionär ist, kann Angst und Unsicherheit reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden steigern.

3. Kognitive Dissonanz:

Menschen neigen dazu, Informationen so zu interpretieren, dass sie ihre bestehenden Überzeugungen unterstützen. Wenn jemand fest an die Macht eines Talismans glaubt, wird er oder sie wahrscheinlich positive Ereignisse dem Talisman zuschreiben und negative Ereignisse ignorieren oder anders erklären, um kognitive Dissonanz zu vermeiden.

4. Symbolische Interaktion:

Talismane können als Symbole dienen, die bestimmte Emotionen oder Erinnerungen hervorrufen. Ein Talisman kann zum Beispiel Trost spenden, wenn er mit einer geliebten Person oder einem wichtigen Lebensereignis verbunden ist.

5. Soziale und kulturelle Einflüsse:

Der Glaube an Talismane kann stark durch kulturelle und soziale Einflüsse geprägt sein. In Gesellschaften, in denen Talismane weit verbreitet sind, ist es wahrscheinlicher, dass Individuen diese Überzeugungen übernehmen und weitergeben.

6. Selbstwirksamkeit:

Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit können verstärkt werden. Wenn jemand glaubt, dass ein Talisman ihnen hilft, kann er sich mutiger und kompetenter fühlen, was sich positiv auf sein Verhalten und seine Leistungen auswirken kann.

7. Rituale und Routine:

Das Tragen oder Verwenden eines Talismans als Teil einer täglichen Routine oder eines Rituals, mag ein Gefühl der Stabilität und Vorhersehbarkeit in das Leben bringen. Rituale können beruhigend wirken und helfen, Stress abzubauen.

Obwohl Talismane oft mit positiven psychologischen Effekten in Verbindung gebracht werden, können sie auch negative Effekte haben. Hier sind einige Beispiele für mögliche negative psychologische Auswirkungen des Glaubens an Talismane:

1. Abhängigkeit

Entwickelt man eine übermäßige Abhängigkeit von seinem Talisman, kann man das Gefühl haben, ohne ihn keine Kontrolle über sein Leben zu haben. Dies kann dazu führen, dass man weniger selbständig und weniger selbstbewusst wird. Es mag auch sein, dass Menschen die Verantwortung für ihre eigenen Handlungen und Entscheidungen auf das Objekt übertragen, anstatt selbst aktiv zu werden.

2. Vermeidungsverhalten

Der Glaube, dass ein Talisman alle Probleme lösen kann, kann dazu führen, dass Menschen die tatsächliche Konfrontation mit und Lösung von Problemen vermeiden. Möglicherweise führt das langfristig zu einer Verschärfung der Probleme. Wenn Menschen erwarten, dass ihr Talisman sie vor allem Negativen schützt, können sie enttäuscht und frustriert sein, wenn dies nicht der Fall ist, was zu Resignation und Passivität führen kann.

3. Finanzielle Ausbeutung

Manche geben viel Geld für Talismane aus, die angeblich besondere Kräfte besitzen. Es gibt immer wieder Betrüger, die Leichtgläubigkeit ausnutzen, um teure, aber wertlose Gegenstände zu verkaufen.

4. Verschlechterung psychischer Gesundheit

Der Glaube an die Notwendigkeit, ständig einen Talisman bei sich zu haben, kann zwanghafte Verhaltensweisen verstärken. Das Fehlen des Talismans kann zu intensiver Angst und Stress führen.

5. Selbsttäuschung und Realitätsverzerrung

Der Glaube an die magischen Kräfte eines Talismans kann dazu führen, dass Menschen den Bezug zur Realität verlieren und ihre Entscheidungen auf irrationalen Annahmen basieren. Menschen können Zufallsereignisse überbewerten und fälschlicherweise als Beweise für die Wirksamkeit ihres Talismans interpretieren, was zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität führt.

Fazit

Während Talismane für viele Menschen eine Quelle des Trostes und der Sicherheit sein können, ist es wichtig, sich der potenziellen negativen Auswirkungen bewusst zu sein. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Glauben und Rationalität, sowie Eigenverantwortlichkeit, sind entscheidend, um die positiven Effekte von Talismanen zu maximieren und die negativen zu minimieren.

Aus Wut wird Mut. Raus aus der Lethargie.

Es gibt zwei Arten, wütend zu sein. Eine kann das Leben ruinieren. Die andere kann es retten. In den letzten Jahren haben viele wahrscheinlich beide Arten von Wut gespürt. Das ist an sich in Ordnung. Wichtig ist jedoch, die beiden unterscheiden zu können, denn destruktive Wut mit konstruktiver zu verwechseln kann großen Schaden zufügen.

Zwei Arten von Wut

Dante Alighieri beschreibt in der Göttlichen Komödie, eine fiktive Reise durch die Hölle (das Inferno) und hinauf in den Himmel (das Paradies). Nahe dem Grund des Infernos trifft Dante auf einen Fluss aus kochend heißem Blut. Er ist voller Menschen, die ein Leben geführt haben, das von ihrer eigenen Gewalt dominiert war. Sie schwimmen herum, hassen ihre Situation und einander, und versuchen, sich gegenseitig die Gesichter abzubeißen. Nennen wir diese Art „blinde Wut“.

Später, nachdem Dante das Inferno ganz durchquert hat und auf dem Weg zum Paradies ist, begegnet er einer anderen Art von Wut. Verschiedene weise Seelen lehren ihn, mit Ungerechtigkeit oder Problemen umzugehen, indem sie Probleme wahrnehmen, freie Entscheidungen treffen, Informationen sammeln und handeln, um störende Situationen zu ändern. Nennen wir dies „erkennende Wut“.

Das blindwütige Gehirn

Es gibt einen ziemlich primitiven Teil unseres Gehirns, der in den „Kampfmodus“ umschaltet, wenn wir uns bedroht fühlen – selbst wenn die Bedrohung nur eingebildet ist oder dadurch entsteht, dass jemand, dem wir vielleicht niemals begegnen werden, anderer Meinung ist, als wir selbst.

Übernimmt dieses Gehirnareal die Kontrolle, werden wir immer wütender. Es kann sein, dass wir uns mit anderen, „Gleichgesinnten“ zusammentun, unsere Wut teilen und uns in eine regelrechte Raserei hineinreden. Blinde Wut kann normalerweise völlig unauffällige Menschen in einen mörderischen Mob verwandeln.

Treibt uns diese Art von Wut an, wissen wir, dass wir recht haben und nichts kann uns umstimmen. Dieser Teil des Gehirns hat keinen Zugang zur Logik, widersprechende handfeste Beweise können genau das Gegenteil bewirken, denn es geht einzig um die glühend heiße Überzeugung.

Das erkennende Gehirn

Während blinde Wut nur schnell urteilt, geht es bei erkennender Wut darum, sorgfältig zu urteilen. Wir werden neugierig. Was ist wirklich passiert? Warum denkt der andere so und was steckt dahinter? Warum denke und fühle ich selbst so?

Das lässt unerwartete Informationen finden, eröffnet neue Perspektiven, ermöglicht Mitgefühl und schenkt kreative Lösungen für beide Seiten eines Problems. Natürlich, der unmittelbare Kick, den uns das Gefühl der Selbstgerechtigkeit schenkt, fehlt: die Freude, einen bösen Post zu schreiben, zu schimpfen oder zu klatschen. Doch der Rausch ist kurz. Erkennende Wut hingegen schenkt uns die Art von Energie, die wir aus gesunder Nahrung beziehen. Sie macht unser Leben – und die Welt – besser.

Blinde oder erkennende Wut?

In der Hitze des Gefechts mag es schwierig sein, zu erkennen, welche Art von Wut wir empfinden. Hier sind ein paar Kriterien, die hilfreich sein können, zu bestimmen, was gerade bei uns abläuft:

Blinde WutErkennende Wut
Urteilt schnell und impulsiv.Wägt sorgfältig ab.
Badet in der eigenen Wut.Trachtet danach, die Wut zu reduzieren.
Es gibt die Anderen. „Wir gegen sie.“Alle Menschen sind verbunden.
Hat Wissen und Wahrheit gepachtet.Sucht nach neuen Informationen.
Hat kein Interesse an Einfühlungsvermögen.Ist empathisch und mitfühlend.
Besteht auf Unfehlbarkeit.Zweifelt und kann Fehler eingestehen.

Sich gemäß der linken oder der rechten Spalte zu verhalten, kann den Unterschied zwischen einem Inferno und dem Weg zu Paradies ausmachen. Wie transformiert man aber seine blinde Wut?

Der Wandel von destruktiv zu konstruktiv

Schritt eins: Blinde Wut erkennen

Der erste Schritt ist die Erkenntnis, dass man sich darin befindet. Irgendwann erkennt man vielleicht, dass die Momente manischer Freude, wenn jemand Leid erfährt, auf den wir wütend sind, nur kurz sind und uns schaden, anstatt glücklich zu machen.

Schritt zwei: Auf unsere Werte konzentrieren

Der Psychologe Steven Hayes entdeckte, dass wir unsere „Kampf“-Reaktion abschalten, wenn wir aufhören, uns auf die „Schlechtigkeit“ anderer Menschen zu konzentrieren, und stattdessen unsere eigenen Werte betrachten.

Er schlägt vor, unsere Werte zu definieren, indem wir ein Verb und ein Adverb, kombinieren. Diese Zwei-Wort-Kombination sollte einen Wert zusammenfassen, den wir leben möchten: Bedingungslos lieben, ständig suchen, inspirierend lehren oder was auch immer passend ist.

Übung: Welche Verb & Adverb Kombination beschreibt einen Wert, den Sie gerade haben?

Schon das Nachdenken darüber und das Suchen nach den eigenen Werten, kann bewirken, dass die Wut sich verändert.

Schritt drei: Etwas Nützliches schaffen

Übung: Sobald der eigene Wert definiert ist, fragen Sie sich: "In Bezug auf das, was mich so aufregt, was ist das Nützlichste, was ich schaffen kann?"

Lassen Sie die Antwort ganz von selbst kommen, ohne sich zu sehr zu verkopfen. Hören Sie stattdessen darauf, was Ihr Herz Ihnen vorschlägt. Ob Sie nun Müll im Wald sammeln oder Ihre vegetarischen Rezepte öffentlich zugänglich machen, eine Lesegruppe gründen, Ihre Nachbarn am Wochenende zum gemeinsamen Resteessen einladen, verwilderte, öffentliche Flächen zum freien Ernten bepflanzen, ein Repair Café ins Leben rufen ist völlig egal.

Vom Zerstören zum Erschaffen

Energie von blinder Wut in erkennende Wut zu transformieren, ist der Schlüssel für ein besseres Leben für uns selbst und für eine bessere Welt für uns alle. Einerlei, welche Meinungen wir haben, dieser Prozess des Wandels ist der Unterschied zwischen Himmel und Hölle, zwischen Krieg und Frieden. Lassen Sie uns Probleme mit Entdeckergeist untersuchen und alles schaffen, was wir können, um sie zu lösen, anstatt unsere Energie darauf zu verwenden, die „Anderen“ abzuwerten und anzugreifen.

Sie wünschen sich Inspiration in einer kreativen Gruppe? Dann ist vielleicht ein Dialog mit Respekt das Richtige für Sie. Sie tun sich schwer mit dem Weg von der blinden Wut in die erkennende Wut und fallen dabei vielleicht sogar in lähmende Lethargie? Dann lassen Sie uns Ihre Stärken und Talente im persönlichen Gespräch entdecken.

Literatur

Beck, M. (2021). The Two Angers. Zugriff am 23. Juni 2024. Verfügbar unter: https://marthabeck.com/2021/02/the-two-angers/

Hayes, S. C. (2005). Get Out of Your Mind and Into Your Life: The New Acceptance and Commitment Therapy. New Harbinger Publications.

Bienen für den Frieden: Eine Schwärmerei

Sonnwend rückt näher. Die Wildrosen stehen in voller Blüte und verströmen ihren betörenden Duft. Die alten Linden haben das Festtagsbuffet für die Bienen eröffnet. In der Waldlichtung schwirrt und summt es. Die laue Sommerluft vibriert über den wogenden Gräsern. Das Leben ufert aus. So wie die drei Bienenvölker, die in den letzten Tagen geschwärmt sind und nun hier am Waldrand ihre neue Heimat gefunden haben. Ich schließe die Augen und überlasse mich dem Tanz der Natur. Freude, Friede, Schaffensgeist.

Bienen am Flugloch

Das Bienenvolk fasziniert Naturwissenschaftler, Philosophen und Soziologen seit Jahrhunderten. Als hochorganisiertes soziales System bietet es uns Einblicke in Kooperation, Arbeitsteilung, Kommunikation und Gemeinschaftsleben. Diese strukturierten und funktionalen Aspekte des Bienenstaats, wie Altruismus, Kollektive Intelligenz, Resilienz und Anpassungsfähigkeit, soziale Hierarchie und Führung können als Modell dienen, um menschliche Gesellschaften zu verstehen und zu verbessern.

Doch darum wird es in diesem Artikel nicht gehen. Auch nicht um die symbolische Bedeutung der Bienen im spirituellen Kontext oder die faszinierende Geometrie des Bienenstocks, insbesondere der sechseckigen Waben.

Bienen können auf noch ganz andere Weise in diesen turbulenten Zeiten zur Konfliktlösung und Stabilität beitragen. Die kleinen Bestäuber spielen nicht nur eine entscheidende Rolle in unseren Ökosystemen, sondern könnten auch wesentlich zur Konfliktlösung, Ernährungssicherheit, Stärkung gefährdeter Gruppen und sogar zur Diplomatie beitragen.

Bienen auf Wabe

Die Rolle der Bienen bei der Konfliktlösung

Bienenprojekte können als Katalysatoren für den Frieden dienen, indem sie gemeinschaftliche Bindungen stärken und wirtschaftliche Chancen schaffen. In Regionen, die von ethnischen oder politischen Spannungen betroffen sind, bringen gemeinschaftliche Imkerei-Projekte Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Ein beeindruckendes Beispiel ist das „Hive Uganda„-Projekt, das Gemeinschaften unterstützt, durch Imkerei wirtschaftlich unabhängig zu werden und gleichzeitig soziale Kohäsion zu fördern.

Ernährungssicherheit durch Bestäubung

Bienen sind unerlässlich für die Bestäubung vieler Nutzpflanzen, die unsere Ernährungssicherheit garantieren. Ohne Bienen würde die Produktion von Obst, Gemüse und Nüssen drastisch sinken, was zu Ernährungsengpässen und erhöhten Lebensmittelpreisen führen würde. Durch die Förderung der Imkerei und den Schutz von Bienenpopulationen können Gemeinschaften ihre landwirtschaftliche Produktivität und Ernährungssicherheit verbessern. Projekte wie „Bees for Development“ haben in vielen Ländern gezeigt, dass die Unterstützung von Kleinbauern bei der Imkerei zu einer stabileren Nahrungsmittelversorgung führt und gleichzeitig das Einkommen erhöht.

10 positive Effekte, wie Bienen das Leben verbessern können:

Bienen erhalten die Artenvielfalt. Durch die Pflege der Bienen kümmern wir uns um unsere Umwelt.

Bienen sorgen für gute Bestäubung: Das bedeutet eine Verbesserung der Ernteerträge und Gewinne für Landwirte.

Honig und Bienenwachs werden in jeder Gesellschaft geschätzt und generieren ein lohnendes Einkommen.

Die Produkte von Bienen liefern Medikamente, zum Beispiel Honig für die Wundpflege und Propolis, das antibakterielle und antimykotische Eigenschaften hat.

Bienenstöcke können aus lokalen Materialien hergestellt werden – sie können kostengünstig oder sogar kostenlos sein. Bienenschwärme sind oft frei verfügbar. Sinnvollerweise werden lokale Bienenarten verwendet.

Imkern muss nicht zeitaufwändig sein und geht neben der Zeit, die in der Kinderbetreuung oder Landwirtschaft gebraucht wird.

Bienen finden ihre eigene Nahrung, indem sie blühende Pflanzen suchen, wo immer sie wachsen. Daher ist die Imkerei auch für Landlose möglich.

Die Produkte der Bienen: Honig, Bienenwachs, Pollen und Propolis können verwendet werden, um wertvolle Sekundärprodukte herzustellen – das schafft Einkommensspielmöglichkeiten für mehr Menschen.

Imkerei ermöglicht Einkommensgenerierung ohne Zerstörung des Waldes oder eines anderen Lebensraums. Darüber hinaus bietet Bienenschutz einen finanziellen Anreiz zum Schutz des Lebensraums.

Imkerei ist die perfekte selbsterhaltende Aktivität. Durch die Bestäubung von blühenden Pflanzen ernähren sich die Bienen selbst und sichern für zukünftige Generationen Nahrung. Auf diese Weise wird die Artenvielfalt erhalten.

Bienen im Schwarm

Stärkung armutsgefährdeter Gruppen

Imkerei bietet insbesondere armutsgefährdeten Gruppen wie Frauen und Jugendlichen in ländlichen Gebieten eine Einkommensquelle und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Durch gezielte Schulungsprogramme können diese Gruppen die Fähigkeiten erwerben, die sie benötigen, um erfolgreich in der Imkerei tätig zu sein. Ein bemerkenswertes Projekt ist „African Women in Beekeeping„, das Frauen in afrikanischen Ländern Ausbildung und Unterstützung bietet, um durch Imkerei finanziell unabhängig zu werden.

Diplomatie und internationale Zusammenarbeit

Die Imkerei kann auch als Instrument der Diplomatie dienen. Durch den Austausch von Wissen und bewährten Praktiken im Bereich der Bienenzucht können Länder und Gemeinschaften grenzüberschreitend zusammenarbeiten. Internationale Konferenzen und Netzwerke wie „Apimondia“ fördern den globalen Austausch und die Zusammenarbeit im Bereich der Bienenzucht, was zu einem besseren Verständnis und einer stärkeren globalen Zusammenarbeit führen kann.

Ökologische und soziale Widerstandsfähigkeit

Bienen tragen zur ökologischen Widerstandsfähigkeit bei, indem sie zur Biodiversität und zur Gesundheit unserer Ökosysteme beitragen. Ein starkes Ökosystem kann besser mit den Herausforderungen verschiedenster Umweltprobleme umgehen. Durch innovative Bestäuberprojekte können lokale Gemeinschaften nicht nur ihre Umwelt schützen, sondern auch soziale und wirtschaftliche Stabilität erreichen. Projekte wie „The Honeybee Conservancy“ fördern nachhaltige Bienenzucht und den Schutz von Bestäubern weltweit. Mellifera ist ein deutsches Projekt, das sich der wesensgemäßen Bienenhaltung und der Gestaltung ihrer Lebensräume widmet.

Bewusstsein und Förderung bewährter Verfahren

Um das Bewusstsein für die wichtige Rolle der Bienen zu schärfen, sind Bildung und Öffentlichkeitsarbeit entscheidend. Schulen, Gemeinden und Regierungen sollten Programme unterstützen, die die Bedeutung der Bienen und der Imkerei hervorheben. Der Austausch bewährter Verfahren durch internationale Netzwerke und Organisationen kann lokale Gemeinschaften weltweit dabei unterstützen, von erfolgreichen Modellen zu lernen und sie anzupassen.

Bienen sind weit mehr als nur Bestäuber; sie sind Friedensstifter, Ernährer und Vorbilder für Zusammenarbeit und Widerstandsfähigkeit. Indem wir Bienen und die Imkerei fördern, können wir einen positiven Beitrag zur Konfliktlösung, Ernährungssicherheit, Stärkung gefährdeter Gruppen und internationalen Diplomatie leisten. Lassen Sie uns in diesen turbulenten Zeiten gemeinsam daran arbeiten, das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen zu schärfen. Schützen Sie die heimischen Bienen, indem Sie Blühpflanzen setzen, die als Nektar- und Pollenquelle dienen. Verzichten Sie konsequent auf chemische Pestizide und Herbizide, auch solche, die sich auf Pflanzen befinden, die man in Gärtnereien erwerben kann. Nehmen Sie an Workshops teil oder schauen Sie einem befreundeten Imker über die Schulter. Denken Sie auch an Wildbienen und lassen Sie Bereiche mit Totholz und Geäst im Garten zu, die bodenbrütenden Arten eine Nistmöglichkeit bieten.

To make a prairie it takes a clover and one bee,
One clover, and a bee,
And revery.
The revery alone will do,
If bees are few.

Emily Dickinson

Es braucht nicht viel für ein blühendes Leben. Eine Biene. Etwas Klee. Und etwas Schwärmerei.

Aber selbst wenn der Klee rar ist und der Bienen wenig, tuts die Kraft des Träumens, um an der Wirklichkeit zu bauen, die man sich wünscht.

Jeans: ein Wandel des Protests – vom Zerfetzen zum Flicken

Einst zerfetzt, heute liebevoll geflickt: Jeans haben eine reiche kulturhistorische Bedeutung, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt und verschiedene soziale, politische und kulturelle Bewegungen widerspiegelt.

zerrissene Jeans

Arbeitskleidung und Robustheit

Jeans wurden ursprünglich im späten 19. Jahrhundert als robuste Arbeitskleidung für Goldgräber, Cowboys und Fabrikarbeiter entwickelt. Levi Strauss und Jacob Davis erfanden die Jeans, um den Bedürfnissen dieser Arbeiter gerecht zu werden. Die Robustheit der Hosen war entscheidend, und das Flicken war eine notwendige Praxis, um die Lebensdauer der Kleidung zu verlängern.

1950er Jahre: Rebellion und Jugendkultur

In den 1950er Jahren wurden Jeans zum Symbol der Rebellion gegen die etablierte Ordnung, vor allem durch Filme wie „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ mit James Dean. Das Tragen von Jeans, ob geflickt oder nicht, wurde zum Ausdruck einer neuen, unabhängigen Jugendkultur, die sich gegen die traditionellen Werte der Nachkriegszeit stellte.

1960er und 1970er Jahre: Hippie- und Punk-Bewegung

In den 1960er Jahren wurden geflickte und verzierte Jeans zum Markenzeichen der Hippie-Bewegung. Die Hippies verwendeten Patches, Stickereien und andere kreative Elemente, um ihre Kleidung zu personalisieren und ein Statement gegen den Konsumismus und für Frieden und Liebe zu setzen.

In den späten 1970er Jahren übernahm die Punk-Bewegung zerrissene Jeans als Teil ihrer ästhetischen und politischen Rebellion. Bands wie die Sex Pistols und The Ramones trugen sie als Ausdruck von Anti-Establishment und Nonkonformismus. Die Risse und Löcher symbolisierten eine Ablehnung der bürgerlichen Ordnung und die Desillusionierung gegenüber der Gesellschaft.

1980er Jahre: Mainstream und Kommerzialisierung

In den 1980er Jahren wurden zerrissene Jeans zunehmend kommerzialisiert und fanden ihren Weg in die Mainstream-Mode. Designer begannen, zerrissene Jeans zu produzieren, was zu einer Entpolitisierung des ursprünglichen rebellischen Symbols führte.

Jeans stonewashed

1990er Jahre: Grunge-Bewegung und Alternative Rock

In den 1990er Jahren wurden zerrissene Jeans durch die Grunge-Bewegung erneut populär. Bands wie Nirvana und Pearl Jam trugen sie als Teil ihres unprätentiösen und gegenkulturellen Stils. Der Grunge-Look war eine Absage an die glamouröse Mode der 1980er Jahre und stand für Authentizität und eine raue Ästhetik.

2000er und 2010er Jahre: Retro-Trends und Individualität

In den 2000er und 2010er Jahren erlebten zerrissene und geflickte Jeans ein Comeback als Retro-Trend. Sie wurden von einer neuen Generation entdeckt und individualisiert. Der DIY-Geist kehrte zurück, wobei Menschen ihre Hosen selbst zerrissen oder flickten, um ihre Individualität und Kreativität auszudrücken.

Nachhaltigkeit und Ethik

In den letzten Jahren hat die Nachhaltigkeitsbewegung das Flicken von Jeans wiederbelebt. Angesichts der Umweltprobleme durch die Fast-Fashion-Industrie sind geflickte Jeans zu einem Symbol für nachhaltigen Konsum und bewusste Lebensweise geworden. Menschen flicken ihre Jeans, um deren Lebensdauer zu verlängern und Ressourcen zu schonen.

Jeans flicken

Kulturelle Aneignung und Globalisierung

Mit der Globalisierung hat sich die Mode der zerrissenen und geflickten Jeans weltweit verbreitet. Sie ist nicht mehr auf bestimmte kulturelle oder soziale Gruppen beschränkt, sondern wird in verschiedenen Kontexten und Kulturen getragen. Dies führt auch zu Diskussionen über kulturelle Aneignung und die Bedeutung von Mode in verschiedenen kulturellen Kontexten.

Geflickte und zerrissene Jeans sind somit nicht nur Kleidungsstücke, sondern tragen eine Vielzahl von kulturellen, sozialen und politischen Bedeutungen in sich, die sich über die Jahrzehnte entwickelt haben.

Interessant ist der Übergang vom Zerstören der Jeans, der auch von der Modeindustrie aufgegriffen wurde (etwa mit den Stonewashed Jeans), zum liebevollen Flicken von „Jeans fürs Leben“. Damit wandelte sich auch die Art des Protests.

  1. Kritik an Konsum und Wegwerfkultur: Geflickte Jeans sind ein starkes Statement gegen die Wegwerfkultur. Indem man beschädigte Kleidung repariert und weiterträgt, wird die Praxis des bewussten Konsums und der Nachhaltigkeit betont, anstatt auf schnelle, billige und kurzlebige Mode zu setzen.
  2. Wertschätzung und Wiederverwendung: Das Flicken kann eine Botschaft der Wertschätzung und Wiederverwendung von Ressourcen senden. Es zeigt, dass Kleidung, auch wenn sie beschädigt ist, noch einen Wert hat und nicht sofort weggeworfen werden sollte. Dies richtet sich gegen die Verschwendung und die negativen Umweltfolgen der Modeindustrie.
  3. Selbstbestimmung und Individualität: Geflickte Jeans können auch Individualität und Kreativität ausdrücken. Das Reparieren von Kleidung ist ein persönlicher und kreativer Akt, der die Fähigkeit zur Selbstbestimmung und zur Ablehnung standardisierter, massenproduzierter Mode zeigt. Es kann ein Zeichen dafür sein, dass man sich von gesellschaftlichen Normen und Erwartungen befreien will.
  4. Solidarität und sozioökonomische Aussagen: Das Tragen von geflickten Jeans kann Solidarität mit Menschen ausdrücken, die sich keine neue Kleidung leisten können. Es kann auch eine Kritik an sozialen Ungleichheiten und der Diskrepanz zwischen Arm und Reich sein. Indem man bewusst geflickte Kleidung trägt, kann man auf die Notwendigkeit aufmerksam machen, soziale Gerechtigkeit und gleiche Chancen für alle zu fördern.

Zusammengefasst sind geflickte Jeans viel mehr als reparierte Kleidung: Sie sind eine Protestaktion visueller und symbolischer Art, um verschiedene wichtige Themen anzusprechen, darunter Nachhaltigkeit, Kritik an der Konsumkultur, soziale Gerechtigkeit und die Feier von Individualität und Kreativität.

Sie möchten tiefer in die Welt des Flickens eintauchen? Dann lassen Sie uns bei einem der nächsten Repair Café plaudern:

Der Trend aus dem heimischen Wohnzimmer oder dem Repair Café findet auch immer mehr Einzug in kleine Handwerksbetriebe, die auf diese Weise Einzelstücke kreieren. Etwa Kapujeans aus Österreich. Die Basisjeans sind von den ikonischen Marken Levis, Lee, Wrangler oder Mustang aus zweiter Hand. Die Flicken stammen von getragenen Kleidungsstücken. Die Unikate erzählen jeweils eine eigene Geschichte. Die Nähte werden mit hochwertigen Baumwollgarnen gefertigt.

Jeans sind nicht nur Alltagskleidung. Sie können ein Statement sein.

Dialog mit Respekt: Vom Zauber des Spielens

In diesem Dialog nehmen wir uns Zeit, um einen Aspekt unseres Lebens zu beleuchten, der oft als kindisch oder unwichtig abgetan wird – das Spielen. Doch ich möchte Sie einladen, die Welt des Spielens mit neuen Augen zu sehen: als eine Quelle der Weisheit, der Freude und der menschlichen Entwicklung.

Friedrich Schiller sagte einmal: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Schiller erkannte die tiefe Verbindung zwischen dem Spiel und unserer Menschlichkeit. Spielen ist nicht nur eine Tätigkeit, sondern ein Zustand des Seins, in dem wir unsere Freiheit, Kreativität und unseren inneren Antrieb zum Ausdruck bringen können.

Der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga prägte den Begriff „Homo Ludens“ – der spielende Mensch. In seinem gleichnamigen Buch beschreibt er das Spiel als eine fundamentale kulturelle Aktivität, die nicht nur dem Vergnügen dient, sondern auch die Entwicklung von Gesellschaften und Kulturen prägt. Spiele schaffen Räume der Freiheit und erlauben es uns, alternative Realitäten zu erforschen, Regeln zu testen und neue Formen des Miteinanders zu entwickeln.

Die Psychologie des Spielens zeigt uns, dass Spielen nicht nur ein Nebenprodukt der menschlichen Erfahrung ist, sondern ein zentraler Bestandteil unserer kognitiven und emotionalen Entwicklung. Der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget betonte, dass Kinder durch Spielen die Welt verstehen lernen. Sie experimentieren, imitieren und kreieren, wodurch sie ihre kognitive Flexibilität und Problemlösungsfähigkeiten entwickeln.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Spielens ist seine Rolle im Stressabbau und der emotionalen Verarbeitung. In unserer hektischen und oft stressigen Welt bietet das Spiel einen Rückzugsort, in dem wir uns entspannen und regenerieren können. Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi führte den Begriff „Flow“ ein, um den Zustand vollständigen Eintauchens in eine Tätigkeit zu beschreiben, den wir oft beim Spielen erleben. In diesem Zustand sind wir völlig fokussiert, verlieren das Zeitgefühl und erreichen ein hohes Maß an Zufriedenheit und Erfüllung.

Aber das Spiel ist nicht nur ein individuelles Phänomen. Es hat auch eine starke soziale Dimension. Brettspiele, Sportarten und Online-Spiele bringen Menschen zusammen, fördern Teamarbeit und Gemeinschaftsgefühl. Spielen schafft Verbindungen zwischen Menschen unterschiedlicher Hintergründe und Kulturen und fördert so das Verständnis und die Toleranz.

Ein Beispiel dafür ist die Arbeit von Jane McGonigal, einer Game-Designerin und Forscherin, die Spiele entwickelt hat, die darauf abzielen, reale Probleme zu lösen und das soziale Engagement zu fördern. Ihre Forschung zeigt, dass Spiele nicht nur Unterhaltungswert haben, sondern auch das Potenzial, positive gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken.

Der Zauber des Spielens liegt in seiner Fähigkeit, uns an die Wurzeln unserer Menschlichkeit zu erinnern und uns zu ermöglichen, das Leben in seiner vollsten Form zu erleben. In einem ernsten, oft von Verpflichtungen geprägten Alltag, bietet das Spiel einen wertvollen Ausgleich und eine Quelle tiefer Freude und Erfüllung.

Dieser Dialog soll ermutigen, den Zauber des Spielens in Ihrem eigenen Leben wiederzuentdecken. Erlauben Sie sich, die Welt spielend wie ein Kind mit Neugier und Kreativität zu erkunden und Momente der Freude und des Flows zu erleben. Spielen Sie mit Ihren Freunden und Ihrer Familie, um Beziehungen zu stärken und unvergessliche gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.

Fragen für den Dialog

  • Welche Art von Spielen hat Ihnen in Ihrer Kindheit am meisten Freude bereitet und warum?
  • Wie integrieren Sie das Spiel heute in Ihren Alltag, und welche Auswirkungen hat es auf Ihr Wohlbefinden?
  • Wie könnten Erwachsene mehr Spiel in ihr Leben integrieren, und welche Vorteile könnten daraus resultieren?
  • Welche Spiele oder spielerischen Aktivitäten könnten Ihrer Meinung nach positive gesellschaftliche Veränderungen bewirken?

Lesenswertes

  1. Bogost, I. (2016). Play Anything: The Pleasure of Limits, the Uses of Boredom and the Secret of Games. Basic Books.
  2. Brown, S. (2009). Spielen: Eine praktische Anleitung für den Umgang mit Leichtigkeit und Lebensfreude. Übersetzt von M. Hansen. München: Goldmann Verlag.
  3. Brown, S., & Vaughan, C. (2009). Play: How It Shapes the Brain, Opens the Imagination, and Invigorates the Soul. Avery.
  4. Caillois, R. (1958). Die Spiele und die Menschen: Maske und Rausch. Ullstein.
  5. Deterding, S. (2016). Spiel als Weltenbau: Rollenspiele zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Wiesbaden: Springer VS.
  6. Hüther, G. (2016). Rettet das Spiel!: Weil Leben mehr als Funktionieren ist. Beltz.
  7. Huizinga, J. (2004). Homo Ludens: Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Rowohlt Taschenbuch Verlag.
  8. McGonigal, J. (2011). Reality is Broken: Why Games Make Us Better and How They Can Change the World. Penguin Press.
  9. Roth, G. (2013). Das Spiel: Naturgesetze steuern den menschlichen Trieb zum Spielen. Berlin: Ullstein Verlag.
  10. Schmidt, H. (2011). Play: Wie das Spielen unser Leben prägt und warum es uns glücklich macht. Hamburg: Rowohlt Verlag.
  11. Suits, B. (1982). Spielend die Welt erobern: Kleine Philosophie des Spiels. Übersetzt von A. Müller. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.
  12. Suits, B. (2005). The Grasshopper: Games, Life and Utopia. Broadview Press.

Wasserkefir – prickelndes Probiotikum mit Schwips

Wasserkefir ist ein spritziges Erfrischungsgetränk ohne künstliche Aromen und Zusatzstoffe. Die Kefirkulturen (Japankristalle) sehen wie schimmernde kleine Bergkristalle aus und bestehen aus Hefen und Milchsäurebakterien. Diese sorgen für die natürliche Fermentation und Veredelung der Grundstoffe. Das süß bis herbe prickelnde Getränk erinnert an Federweißen oder Holundersekt. In der Natur findet man Kefirkristalle auf Opuntien, auf deren Oberfläche sie in einer Zuckerlösung gedeihen.

Dem Wasserkefir werden vielerlei heilende Wirkungen zugesprochen. Studien dazu sind rar und auch schwierig durchzuführen, denn es handelt sich nicht um eine standardisierbare Substanz – sondern um pures Leben: vielfältig und wandelbar. Fest steht, dass Wasserkefir ein Probiotikum ist und deren segensreiche Wirkung ist vielfach untersucht und bestätigt worden.

Heilwirkungen, für die der Wasserkefir bekannt ist, beruhen also auf Erfahrungsberichten:

  • Aufbau einer gesunden Darmflora (z.B. nach Antibiotika Einnahme)
  • Hautkrankheiten (innerlich und äußerlich), Akne, Rosaceae, Psoriasis
  • Allergien
  • Reizdarmsyndrom
  • Migräne
  • Chronische Müdigkeit
  • Depressionen
  • ADHS
  • und viele weitere Krankheiten, die mit der Darmgesundheit zusammenhängen

Wasserkefir können Sie nicht im Laden kaufen. Aber Sie können ihn ganz leicht selbst herstellen.

Für den Ansatz wird Zucker und eine Stickstoffquelle benötigt. Der Zucker wird während der Fermentation vergoren und zu variablen Anteilen von Milchsäure und Alkohol abgebaut. Der Alkoholgehalt kann je nach Ansatzdauer 0,2 bis 2 % betragen. Bei eher kurzer Ansatzdauer verbleibt zudem ein Restzuckergehalt im Getränk, der beispielsweise von Diabetikern beachtet werden muss.

Die Kefirkristalle vermehren sich unter optimalen Bedingungen beachtlich und können sich binnen eines Ansatzes gut verdoppeln. Dazu benötigen sie das Calcium aus hartem Wasser oder ein wenig getrocknete pulverisierte Eierschale. Die Kristalle werden kaum den Durchmesser von 1 Zentimeter erreichen. Vorher werden sie vom Kohlendioxid, das in ihrem Innern bei der Gärung entsteht, gesprengt. Diese Bruchstücke wachsen und vermehren sich dann auf dieselbe Weise weiter.

Zitrone hemmt einerseits Schimmelpilze, und dient andererseits dem Geschmack. Wenn Sie Bitter Lemon mögen, verwenden Sie die Schale mit den Bitterstoffen mit. Ansonsten kann man auch frisch gepressten Zitronensaft verwenden.

Gelegentlich finden Sie im Handel – sündteures – Wasserkefirferment. Dieses ist jedoch weit kurzlebiger als die echte Kefirkultur und ist nach einigen Ansätzen verbraucht. Verwenden Sie also unbedingt eine lebende Kultur, freuen Sie sich am üppigen Wachstum und geben Sie Ihre Schätze weiter an Freunde und Bekannte.

Zubereitung von Wasserkefir:

Sie brauchen ein großes Schraubglas oder eine Glaskaraffe, die Sie mit Frischhaltefolie und einem Gummiring verschließen können. Beides muss eine weite Öffnung haben, damit sie gut gereinigt werden können.

Verwenden Sie keine Küchenutensilien aus Metall, da diese der Kefirkultur schaden könnten!

Verrühren Sie einen Liter Wasser (am besten lauwarm) mit 80 g Rohrohrzucker. Weißer Zucker ist wegen der fehlenden Mineralstoffe nicht gut geeignet. Sie können auch einen kleinen Teil Vollzucker (getrockneter Zuckerrübensaft) oder Kokosblütenzucker verwenden. Erythriol oder Birkenzucker sowie Süßstoffe sind hingegen nicht geeignet. Ihre Kefirkultur würde schlichtweg verhungern. Auch Honig ist nicht empfehlenswert, da er durch seine keimtötende Wirkung der Kultur schaden würde. Von Zeit zu Zeit ein Schluck Ahornsirup oder Melasse zusätzlich zum Ansatz hingegen, belebt die Lebensgeister der Kefirkristalle.

Statt Wasser können Sie auch alle Sorten von Früchte-, Kräuter- oder Grün- und Schwarztee verwenden. Auch Säfte können Sie mit Kefirkristallen veredeln. Diese können Sie zur Hälfte mit dem Wasser-/Zuckergemisch verdünnen. Geeignet sind nicht nur pure Fruchtsäfte, sondern auch zuckerreiche Gemüsesäfte wie Karottensaft oder Rote Beete Saft.

Geben Sie ein paar Scheiben Zitrone hinzu oder wenn Sie den Bittergeschmack nicht so mögen, etwas Zitronensaft. Auch andere Zitrusfrüchte sind bestens geeignet, solange sie nur unbehandelt sind. Die Zugabe von Zitrone ist für den Fermentationsprozess aber nicht notwendig. Auch Gewürze wie frische Ingwerscheiben oder Vanillestangen machen sich gut in Kefir.

Ebenso entbehrlich sind die Trockenfrüchte, auf die Kefirfans schwören. Als Geschmackskomponente machen sich jedoch (unbehandelte!) Feigen, Aprikosen, Gojibeeren, Rosinen, Cranberrys, … hervorragend. Abwechslungsweise können Sie auch frische Früchte verwenden: Apfelschnitze, Granatapfel oder sonnengereifte Beeren.

Auch auf frische Kräuter wie Zitronenmelisse, Indianernessel, Basilikum, Ananasminze, Zitronenverbene können Sie zurückgreifen, um neue Geschmacksvariationen zu komponieren. Schwelgen Sie in Ihrem Kräutergarten und lassen Sie sich inspirieren. Sehr gut machen sich auch Holunderblüten, duftende Rosenblüten oder Ingwer in der Ansatzflüssigkeit.

Geben Sie zu der fertigen Zuckerlösung nun ca. drei bis sechs gehäufte EL Kefirkristalle. Verschließen Sie Ihr Gefäß und stellen Sie es bei ca. 20 bis 25° an einen warmen Ort. Der Ansatz sollte alsbald ein bis zwei Tage stürmisch gären. Danach sind so viele Bakterien im Getränk, dass Sie die Kristalle absieben und für einen neuen Ansatz verwenden können. Sie können den Kefir nun gut kühlen und gleich trinken oder auch für ein bis zwei Wochen im Kühlschrank aufbewahren. Wenn Sie den Restzuckergehalt noch weiter verringern wollen, lassen Sie den Wasserkefir für weitere ein bis drei Tage in Flaschen abgefüllt reifen. Die Süße wird mehr und mehr verschwinden und der Alkoholgehalt steigt.

Die überzähligen Kefirkristalle können Sie weitergeben oder auch in Smoothies oder Proteinshakes mixen. Auch vorsichtiges Trocknen ist möglich.

Trotz der Bedenken, dass ein geringer Restzuckergehalt verbleibt sowie ein variabler Anteil an Alkohol wird der Wasserkefir in der Volksheilkunde schon seit langer Zeit verwendet. Gönnen Sie sich jedenfalls den Spass, den die Zubereitung mit sich bringt, und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil.

Herzkohärenz – Wenn Körper und Seele im Einklang sind

Herzkohärenz ist ein kraftvoller gleichmäßiger Herzrhythmus, der einhergeht mit innerer Gelassenheit, Freude, Frieden, Liebe.

Gefühle haben ihren Sitz im limbischen System, das entwicklungsgeschichtlich viel älter ist als der Neokortex, der Sitz unseres Denkens und des Bewusstseins.

Dieser Teil des Gehirns funktioniert weitgehend unwillkürlich und reflexartig. Auch Blutdruck, Herzschlag, Immunsystem und Verdauung sind beispielsweise so gesteuert. Stress und starke Emotionen können dieses normalerweise reibungslos funktionierende System jedoch aus dem Takt bringen: Man kommt nicht mehr zur Ruhe, schläft schlecht, leidet unter Magen- oder Darmproblemen, die Abwehrkräfte machen schlapp.

Der Volksmund sieht sprichwörtlich den Ursprung der Emotionen im Herzen: Das Herz kann einem in die Hosen rutschen. Es kann uns schwer ums Herz sein. Oder es hüpft in der Brust. Manchmal schlägt es bis zum Hals. Wir verschenken unser Herz. Wir nehmen uns Dinge zu Herzen. Gelegentlich folgen wir der Stimme unseres Herzens. Wir finden manches herzzerreißend. Manche haben das Herz am rechten Fleck. Botschaften können uns treffen wie ein Stich ins Herz.

Und tatsächlich gibt es zahlreiche Hinweise dafür, dass das Herz auch biologisch eng mit unseren Emotionen verknüpft ist.

Wenn wir gestresst sind, Angst haben, traurig oder wütend sind, wird der Herzschlag unrhythmisch. Positive Emotionen hingegen führen zu einem regelmäßigen, gleichförmigen Muster von Atmung und Herzschlag. Mittels Biofeedback lässt sich dies in sinusförmigen Wellenlinien darstellen. Diesen Zustand nennt man Herzkohärenz.

Aber auch ohne Biofeedback können Sie Herzkohärenz in den Alltag bringen:

1. Hier und Jetzt

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Herzregion. Konzentrieren Sie sich nun auf die Mitte Ihrer Brust – auf den Herzbereich. Wenn Sie möchten, können Sie Ihre Hand über Ihr Herz legen. Falls Sie mit den Gedanken abschweifen, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit einfach wieder zurück auf die Herzgegend.

2. Atmen

Während Sie sich auf den Herzbereich konzentrieren, stellen Sie sich vor, wie Ihr Atem durch diese Körperregion ein- und ausströmt. Atmen Sie tief ein und langsam und leicht wieder aus. Die Konzentration fällt leichter, wenn Sie beim Einatmen „Ein“ denken und beim Ausatmen „Aus“ (oder tief – langsam, ruhig – leicht). Machen Sie das so lange, bis Ihr Atem ruhig und gleichmäßig fließt und Sie ihn nicht mehr kontrollieren müssen. Ihr Atem und Ihr Herzrhythmus gleichen sich aneinander an. Atmen Sie entspannt weiter, bis Sie einen natürlichen inneren Rhythmus finden, der sich für Sie gut anfühlt.

3. Fühlen

Erinnern Sie sich, während Sie ruhig und konzentriert weiteratmen, an einen Moment innerer Freude und versuchen Sie dieses Gefühl erneut zu erleben. Das kann ein Gefühl von Wertschätzung oder Fürsorge für eine bestimmte Person oder auch ein Haustier gewesen sein, oder ein Ort, an dem Sie sich wohlfühlen, oder eine Tätigkeit, die Sie mit Begeisterung machen. Falls Sie gerade nichts dabei empfinden, ist das auch in Ordnung. Versuchen Sie es einfach weiter und beobachten Sie während dessen Ihre Emotionen. Wenn sich eine positive Erinnerung und das damit verbundene Gefühl eingestellt hat, atmen Sie das Gefühl ein und aus. Atmen Sie Wertschätzung, Glück oder Schönheit; oder atmen Sie Ausgeglichenheit ein und Vergebung aus, atmen Sie Liebe ein und Mitgefühl aus, atmen Sie Freude ein und Leichtigkeit aus, …

4. Weit werden

Wenn Sie diese ersten drei Schritte einigermaßen beherrschen, können Sie dieses Gefühl der Wertschätzung aufrechterhalten und es gleichzeitig auch auf andere lenken. Wenn Ihre Gedanken abschweifen, lenken Sie die Atmung wieder sanft zurück auf die Herzregion und verbinden sich erneut mit dem Atem und den Gefühlen.

Herzkohärenz

5. Immer und überall

Üben, üben, üben Sie, bis die Herzkohärenz ein Reflex wird. Zum Beispiel immer, wenn Sie durch einen Türstock gehen; immer, wenn das Telefon klingelt; immer, bevor Sie etwas trinken, … Wenden Sie das Kohärenztraining an, wenn Sie negative Emotionen wie Ärger oder Angst spüren, wenn Konfliktgespräche anstehen, wenn Sie nicht einschlafen können, wenn Sie Sorgen haben, wenn traumatische Erinnerungen auftauchen, wenn sie wichtige Entscheidungen fällen müssen, kreative Ideen brauchen oder neue Antworten suchen. Während Sie sich in Kohärenz befinden, können Sie konfliktbeladene Themen aus einem umfassenderen und ausgewogeneren Blickwinkel betrachten. Einsichten des Herzens sind oft sehr subtil. Vergleichen Sie die Lösungen, die sich aus der Sichtweise des Herzens ergeben, mit solchen, die Ihnen Ihr Verstand vorschlägt.

Literatur:

Childre, D., & Martin, H. (2000). Das HeartMath Buch: Emotionale Intelligenz durch Herzintelligenz. München: Goldmann Verlag.

Dahlke, R. (2016). Die Heilkraft des Herzens: Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Herzintelligenz. München: C. Bertelsmann Verlag.

Pearsall, P. (2001). Herzintelligenz: Wie das Herz unser Leben steuert. München: Droemer Knaur.

Raß, K.-H. (2015). Herzkohärenz: Die Physik der Herzschwingungen. Stuttgart: Schattauer Verlag.

Rozman, D., & McCraty, R. (2010). Die Kraft der Herzensintelligenz: Wie Sie Ihren Herzrhythmus nutzen können, um Stress abzubauen und zu innerer Ruhe zu finden. München: Kösel Verlag.

Schulz, J. (2018). Herzfrequenzvariabilität: Das Zusammenspiel von Herz und Gehirn verstehen und nutzen. Berlin: Springer Verlag.

Wilde Frühlingskräuter Quiche – Brainfood aus Mitteleuropa

Ursprünglich war die Quiche ein einfaches Gericht der ländlichen Küche, das oft von Bauern und Hirten zubereitet wurde. Es bestand aus einem einfachen Mürbeteig, der mit einer Mischung aus Eiern und Milch oder Sahne gefüllt und dann gebacken wurde. Die Füllung variierte je nach saisonaler Verfügbarkeit und lokalen Zutaten, oft wurden Reste vom Vortag verwendet.

Die Verwendung von Wildkräutern in der Küche hat eine lange Geschichte. Kräuter wie Brennnessel, Giersch, Löwenzahn und Sauerampfer wurden nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Heilpflanzen geschätzt.

Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit spielten Wildkräuter eine wichtige Rolle in der Ernährung, insbesondere in Zeiten, in denen andere Nahrungsmittel knapp waren. Die Menschen sammelten eine Vielzahl von Wildkräutern, um Suppen, Eintöpfe, Salate und andere Gerichte zuzubereiten. Diese Kräuter waren nicht nur nahrhaft, sondern wurden auch für ihre heilenden Eigenschaften geschätzt.

Frühlingswiese

Während der Industrialisierung und der zunehmenden Urbanisierung gerieten viele traditionelle Nahrungsmittel und Kochtechniken in Vergessenheit, und auch die Verwendung von Wildkräutern nahm ab. In den letzten Jahrzehnten hat jedoch ein Wiedererstarken des Interesses an traditioneller Küche und lokalen Lebensmitteln dazu geführt, dass Wildkräuter wieder vermehrt in die Küche zurückkehren.

Heutzutage erleben Wildkräuter eine regelrechte Renaissance in der Küche. Köche und Hobbyköche entdecken die Vielfalt und den Geschmack von Wildkräutern neu und verwenden sie in einer Vielzahl von Gerichten, von Salaten über Suppen bis hin zu Hauptgerichten und Desserts. Darüber hinaus werden Wildkräuter aufgrund ihrer gesundheitlichen Vorteile und ihres ökologischen Anbaus immer beliebter.

In der modernen Wildkräuterküche wird oft auf traditionelle Zubereitungsmethoden zurückgegriffen, aber auch neue und kreative Rezepte entstehen, die die Aromen und Texturen der Kräuter auf innovative Weise nutzen. Die Verwendung von Wildkräutern in der Küche ist nicht nur eine Möglichkeit, lokale Ressourcen zu nutzen und die Umwelt zu schonen, sondern auch eine Möglichkeit, die Vielfalt und den Reichtum der Natur in unserer Ernährung zu genießen.

Wildkräuter

Hier ein modernes Rezept mit einem vielseitigen Topfenteig als Alternative zum klassischen Mürbteig. Die Quiche schmeckt warm genauso gut wie kalt.

Topfenteig

  • 125 g Topfen
  • 1 kleines Ei
  • 125 g glattes Mehl
  • Salz
  • 3 EL Olivenöl

Fülle

  • 1 Becher Sauerrahm
  • 3 Eier
  • Salz, Pfeffer, ev. eine Prise Muskatnuss
  • gewaschene grob geschnittene Wildkräuter wie:
    • Brennessel
    • Giersch
    • Gundermann
    • Sauerampfer
    • Bärlauch
    • Schafgarbe
    • Günsel
    • Löwenzahnblüten
    • Gänseblümchen…

Alle Zutaten zu einem glatten Teig verkneten und im Kühlschrank 30 Minuten ruhen lassen. Dann auf bemehlter Arbeitsfläche ausrollen und eine Quicheform damit auslegen. Im Backofen bei ca. 165° 10 Minuten vorbacken. Währenddessen die Zutaten der Fülle verrühren. Einfüllen, glattstreichen und fertig backen.

Quiche mit Wildkräutern

Ausgewählte Kräuter fürs Gehirn:

  1. Giersch: Enthält Vitamin C, das die Gehirnfunktion unterstützt und als Antioxidans wirkt, um oxidative Schäden zu bekämpfen. Es kann auch die Kollagenproduktion fördern, was wichtig für die Gesundheit des Gehirns ist.
  2. Brennnessel: Reich an Eisen, das die Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessert und Müdigkeit reduziert. Außerdem enthält es Vitamin K, das für die Gesundheit der Nerven wichtig ist.
  3. Gundermann: Enthält Flavonoide, die antioxidative Eigenschaften haben und helfen können, Entzündungen im Gehirn zu reduzieren. Es wird auch angenommen, dass Gundermann die Durchblutung verbessern kann, was die Gehirnfunktion unterstützt.
  4. Sauerampfer: Enthält Vitamin A und Vitamin C, die beide wichtige Antioxidantien sind und helfen können, das Gehirn vor Schäden durch freie Radikale zu schützen. Sauerampfer ist auch reich an Kalium, das für die elektrische Leitfähigkeit im Gehirn wichtig ist.
  5. Bärlauch: Bärlauch ist reich an schwefelhaltigen Verbindungen, die die Durchblutung fördern und somit die Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessern können. Darüber hinaus enthält Bärlauch auch Antioxidantien wie Vitamin C und Vitamin E, die helfen können, das Gehirn vor oxidativem Stress zu schützen.

Die Wildkräuter-Quiche ist nicht nur köstlich, sondern auch reich an Nährstoffen, die die Gehirnfunktion unterstützen können.

Weitere Brainfood Rezepte aus aller Welt finden Sie hier.

Demokratie neu denken. Die stille Revolution.

Sie vermuten richtig: Das wird ein politischer Artikel. Und das ist verwunderlich, denn um dieses Thema mache ich üblicherweise einen großen Bogen. Ich habe überhaupt keine Lust, über Politik oder Demokratie zu schreiben, weil darüber wohl alles gesagt und geschrieben wurde, was gesagt werden muss. Viel lieber schreibe ich darüber, wie Menschen herausfinden, was sie gut können und gerne tun und damit persönlich wachsen, wertvolle Mitglieder der Gesellschaft werden und ihren Beitrag dazu leisten, unseren Planeten zu schützen. Aber wie soll man darüber schreiben, während das Fundament bereits von Wellen umspült wird und dem Gebäude der Einsturz droht?

Die Debatte darum, wer welcher Partei in Österreich bei der heuer anstehenden Nationalratswahl die Stimme geben wird, verursacht mir Bauchgrimmen und scheint eine Wahl des kleineren Übels zu werden. Denn wem wollte man noch sein Vertrauen schenken?

Das Hauptproblem der aktuellen Demokratien scheint der zunehmende Machtverlust der Bürger gegenüber der Staatsmacht zu sein. Die Menschen fühlen sich ausgeschlossen, betrogen und bestohlen. Umfragen zeigen, dass der überwiegende Teil der Öffentlichkeit in den westlichen Ländern Europas der Meinung ist, dass politische Parteien korrupt sind. Und damit haben wir ein weiteres schwerwiegendes Problem, denn es stellt sich zudem die Frage, wie viel Macht unsere Regierungen eigentlich noch haben.

Aber was soll man tun? Gar nicht mehr wählen gehen? Das Ansinnen ist durchaus verständlich und weshalb sollte man nicht auch das Recht haben politisch zu streiken? Das Problem lässt sich mit dieser Verweigerungshaltung allerdings nicht lösen.

Fragen und Zuhören – aber richtig

Es ist an der Zeit, neue Wege zu finden, um die Stimme des Volkes zu hören. Im Moment gibt es dafür vor allem Wahlen, Volksabstimmungen und Meinungsumfragen. Aber dort werden keineswegs die richtigen Fragen gestellt. Was nützt es, wenn man sich bei der Wahl eines Kandidaten zwischen Teufel und Beelzebub entscheiden oder bei einer Umfrage nur mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen kann?

Stellen Sie sich vor, es ist sechs Uhr abends, eine Mutter bereitet gerade das Abendessen für die Familie zu, die Kinder rufen nach Hilfe bei den Hausaufgaben, quengeln, weil sie lieber noch draußen spielen würden, der Vater ist geschafft von einem stressigen Arbeitstag und in diesem Moment klingelt das Telefon. Das Meinungsforschungsinstitut möchte, dass man sich unvorbereitet zu einem Thema äußert, von dem man meist ohnehin nicht viel weiß. „Was denken Sie über die Neuerungen in der Asylpolitik?“ „Äh, … keine Ahnung. Ich bin dagegen.“ Auf diese Weise werden tausende Personen befragt und die Ergebnisse fließen in die politischen Entscheidungen mit ein.

Viel interessanter, als zu wissen, was Menschen denken, wenn sie nicht denken, wäre, was sie zu sagen haben, wenn sie die Gelegenheit haben, sich mit dem Thema zu befassen. Das Instrument dafür könnte die Deliberative Demokratie sein. Bei diesem Verfahren werden Bürger zu einem Treffen mit Fachleuten eingeladen, um sich umfassend zu informieren, auszutauschen und zu diskutieren. Danach (und manchmal zum Vergleich auch davor) werden sie nach ihrer Meinung gefragt. Und diese Antworten sind wesentlich differenzierter und wohlüberlegt.

Gibt es das schon irgendwo? Ja, beispielsweise im Erdölstaat Texas, mit erstaunlichem Ausgang. Bei einer Fachtagung mit ausgelosten Bürgern wurde die Frage gestellt: „Würden Sie eine leicht erhöhte Stromrechnung in Kauf nehmen, damit erneuerbare Energien ausgebaut werden können?“ Wie zu erwarten, hatten wenige Leute Lust dazu. Während der Tagung, bei der es zahlreiche Informationen zu umweltfreundlichen Energien, Klimawandel, Umweltzerstörung, etc. gab, stieg die Zahl derer, die bereit waren etwas mehr zu zahlen, ständig. Heute ist Texas der amerikanische Bundesstaat mit den meisten Windrädern. Wie wäre die Entscheidung wohl gefallen, wäre diese Frage allein von den gewählten Politikern besprochen worden, die natürlich die Interessen der Erdölindustrie miteinbezogen hätten?

Wie könnte ein Ausblick in die Zukunft aussehen? Im Westen kennen wir die Demokratie schon seit 3000 Jahren, Wahlen hingegen erst seit 200 Jahren. Es gibt zahlreiche demokratische Traditionen, die schon vor den Wahlen bestanden. Vielleicht ist deren Zeit nun vorbei. Der Informationsfluss ist in rasantem Tempo gestiegen, ebenso wie die Zugänglichkeit. Damit ist zum ersten Mal in der Geschichte die Möglichkeit gegeben, die Bevölkerung auf ganz andere Weise zu Wort kommen zu lassen.

Repräsentativ durch das Zufallsprinzip

Eine Möglichkeit ist das Losverfahren, wie es von Schöffengerichten bekannt ist. Es garantiert uneingeschränkt die Norm der Gleichheit aller Teilnehmer. Alle Bürger, ob arm oder reich, weiblich oder männlich, jung oder alt, gesund oder krank, Unternehmer, Beamter oder Arbeiter hätten in der Demokratie die gleiche Chance, durch das Los gezogen zu werden. Kein Teilnehmer könne über eigenes ökonomisches, soziales oder kulturelles Kapital seine Chancen erhöhen, sich Vorteile gegenüber anderen verschaffen und den Ausgang beeinflussen. Natürlich ist das System nicht perfekt, aber die Schöffen nehmen im Allgemeinen ihre Aufgabe sehr ernst und machen sich kundig, ehe sie eine Entscheidung treffen, die sowohl der Justiz als auch der Gesellschaft gerecht wird. Kombiniert man das Losverfahren mit der Deliberativen Demokratie, kommen wesentlich bessere Entscheidungen zustande, als unsere gewählten Parteien sie zu treffen imstande sind.

Ein Beispiel: In Irland wurde 2014 ein Verfassungskonvent veranstaltet. Ein Gelegenheitsparlament, bestehend aus 33 irischen Abgeordneten und 66 ausgelosten Durchschnittsbürgern sowie einem Vorsitzenden beriet sich 14 Monate lang über acht Artikel der irischen Verfassung. Die Diskussionen wurden im Internet übertragen und die Bevölkerung war aufgerufen, sich zu beteiligen und ihre Beiträge zu schicken. Eines der überraschenden Ergebnisse: Im erzkatholischen Irland wurde offiziell empfohlen, den Verfassungsartikel zu ändern, um eine gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren.

Die isländische Revolution von 2008 war eine beispiellose Bewegung, die aus der globalen Finanzkrise heraus entstand und eine einzigartige Kombination aus Bürgerprotesten, politischem Wandel und dem Einsatz neuer Technologien zur politischen Partizipation darstellte.

Eine der innovativsten Maßnahmen, die während dieser Zeit ergriffen wurden, war die Entscheidung, eine neue Verfassung zu erstellen – eine, die nicht von Politikern oder Experten, sondern von den Bürgern selbst entwickelt wurde. Um dies zu erreichen, nutzte Island Crowdsourcing-Techniken, um Ideen und Vorschläge von Tausenden von Bürgern zu sammeln. Durch Online-Plattformen und öffentliche Versammlungen hatten die Isländer die Möglichkeit, direkt an der Gestaltung ihrer Verfassung teilzunehmen.

Doch wo soll man anfangen? Müssten Maßnahmen wie die Einführung eines Losverfahrens oder einer Deliberativen Demokratie nicht von der politischen Führung selbst in Gang gesetzt werden? Ist die Regierung überhaupt daran interessiert, dass das System sich ändert? Und falls ja, wäre sie in der Lage, das zu tun, entgegen der Interessen von Wirtschaft und Finanz, im Würgegriff der kommerziellen und sozialen Medien?

Dabei wäre Demokratie doch ganz simpel: Bürger setzen sich zusammen, fragen sich, was es für ein gutes Leben braucht und treffen gemeinsam Entscheidungen für die Zukunft der Gesellschaft. Das nennt sich dann übrigens Dialog.

Mündig werden. Sein Schicksal in die Hand nehmen.

Mit zunehmender Kluft zwischen arm und reich wird es mehr und mehr Bürger geben, die „Nein“ sagen, etwa dadurch, dass sie bewusst nicht mehr wählen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Gruppen, die beginnen, sich selbst zu organisieren, um für demokratische Rechte zu sensibilisieren, neue Regeln für die Gemeinschaft ausarbeiten und anstatt sauer zu sein und zu kritisieren, selbst den Wandel herbeiführen, den sie sich wünschen. Man denke etwa an die verfassungsgebenden Werkstätten oder die kunterbunten Graswurzelbewegungen. Was wir brauchen ist eine Koalition von Menschen guten Willens, sowohl in der Bevölkerung, als auch in der Politik und der Wirtschaft.

Und damit erreichen Gemeinden und Städte einen ganz neuen Stellenwert in der Demokratie als treibende Kräfte. Demokratien haben sich immer schon vom Lokalen zum Globalen entwickelt und dies könnte eine Zeit der Renaissance sein. In Athen hätte wohl kaum jemand geglaubt, dass es eines Tages Demokratien mit einer Milliarde Menschen wie in Indien geben würde.

In Kuttambakkam, einem kleinen Dorf im Bundesstaat Tamil Nadu in Südindien, wurde die bemerkenswerte Geschichte eines selbstverwalteten Dorfes geschrieben. Diese Geschichte zeigt, wie die Bewohner eines Dorfes sich zusammenschließen können, um ihre Gemeinschaft selbst zu regieren, ohne auf externe politische Strukturen angewiesen zu sein.

Die Bewohner von Kuttambakkam wurden lange Zeit von landwirtschaftlichen Problemen, Armut, Müll, Analphabethentum und mangelnder Infrastruktur geplagt. In den späten 1990er Jahren beschlossen sie jedoch, sich dieser Herausforderungen gemeinsam zu stellen und eine neue Form der Selbstverwaltung zu schaffen.

Die Dorfbewohner organisierten sich in Selbsthilfegruppen und begannen, lokale Ressourcen zu nutzen, um die Lebensbedingungen im Dorf zu verbessern. Sie bauten Straßen, Schulen und Brunnen, starteten Programme zur Förderung der Landwirtschaft und verbesserten die Gesundheitsversorgung. Diese Bemühungen waren weitgehend von den Dorfbewohnern selbst finanziert und durchgeführt, wobei sie auf traditionelle Wissenssysteme und kollektive Entscheidungsfindung zurückgriffen.

Ein entscheidender Moment in der Geschichte von Kuttambakkam war die Einführung des Konzepts der Gram Sabhas, lokaler Versammlungen, in denen alle Dorfbewohner zusammenkommen, um über Angelegenheiten zu diskutieren, die ihr Dorf betreffen, und um gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Diese Gram Sabhas wurden zu einem wichtigen Forum für die demokratische Teilhabe der Dorfbewohner und ermöglichten es ihnen, ihre Stimme in lokalen Angelegenheiten zu erheben und ihre eigenen Prioritäten zu setzen.

Durch ihre kollektiven Anstrengungen und ihre Beteiligung an der Selbstverwaltung konnten die Bewohner von Kuttambakkam eine nachhaltige Entwicklung in ihrem Dorf fördern und eine starke Gemeinschaft aufbauen, die auf Solidarität und gegenseitiger Unterstützung basiert. Ihre Geschichte zeigt, wie die Ideale der Selbstverwaltung und der lokalen Demokratie verwirklicht werden können, wenn die Bürger sich aktiv für ihre Gemeinschaft einsetzen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Texas. Irland. Island. Indien. Sie haben natürlich recht. Das ist alles so weit weg. Deshalb zuletzt noch ein Beispiel aus unmittelbarer Nähe, nämlich die umtriebige Stadt Lindau, in der ich letzte Woche bei einer Projektschmiede mitdenken durfte. Seit 2018 sind dort etliche Projekte der Bürgerbeteiligung entstanden, die hier dokumentiert sind.

Die stille Revolution

Vielleicht ist das, was gerade auf der ganzen Welt passiert, eine stille Revolution. Millionen von Menschen warten nicht mehr auf eine Genehmigung von oben, sondern krempeln die Ärmel hoch und machen sich an die Arbeit. Gemeinschaftsgärten entstehen, alternative Energiesysteme werden im Selbstbau erstellt, das Schulsystem reformiert, Komplementärwährungen eingeführt, es wird repariert, recycelt, selber gemacht.

Das Problem ist nicht, dass wir die Lösungen für die Probleme im Kleinen und Großen nicht kennen würden. Die Schwierigkeit ist, die Bevölkerung in größerem Umfang zu inspieren und zu motivieren, aktiv zu werden und die Sache in Angriff zu nehmen. Und das bedeutet auch, dass wir wieder lernen müssen zusammen zu arbeiten. Es gibt viele Gruppen von Aktivisten, die sich irgendwann zerstritten haben. Das ermüdet und bringt uns nicht dahin, wo wir hinwollen. Der Wandel erfordert gemeinsame Visionen, Mut etwas zu riskieren, Neues auszuprobieren, einander zu unterstützen, kreativ zu sein, eine lebenswerte Zukunft zu erträumen und miteinander zu feiern. Dragon Dreaming ist (mehr als) eine Methodensammlung, die diese Kompetenzen pflegt und würdigt und dabei lebendige, beflügelnde Projekte entstehen lässt.

Für oder gegen?

Es gibt zwei Arten, seiner Politikverdrossenheit Luft zu machen. Man kann viel Zeit und Energie einsetzen, um zu kritisieren und Kampagnen zu organisieren, die vielleicht irgendwann mehr oder weniger dazu führen, dass die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.

Oder man könnte sagen, wie Rob Hopkins es ausdrückt: „Macht doch einfach was ihr wollt. Aber seid euch darüber im Klaren, dass es überall auf der Welt Leute gibt, die anfangen so zu leben, wie es für ein gutes Leben für alle notwendig ist. Und während sie das tun, knüpfen sie Freundschaften, haben Spass, gründen Unternehmen, essen gut, trinken selbstgebrautes Bier, zahlen für ihren Strom weniger und fühlen sich als Teil einer historischen Bewegung. Ihr könnt euch dafür einsetzen diesen Prozess zu unterstützen, aber macht einfach was ihr wollt, denn es passiert mit oder ohne euch. Es ist eine stille Revolution. Und wenn euer Herz es befiehlt: Dann macht doch einfach mit.“

(Dieser Artikel ist übrigens inspiriert von einem Kinobesuch am Spielboden entstanden. Schon der Auftakt zum Film war bemerkenswert, denn die beiden Mitorganisatoren haben ganz unterschiedliche Ansätze, die Welt zu verändern: die einen protestierend, die anderen unterstützend. Grund genug einander in die Haare zu geraten. Aber statt dessen gab es eine wertschätzende Vorstellung der beiden Ansätze. Sowohl der Film wie auch das Buch zum Film sind in der Vorarlberger Landesbibliothek entlehnbar.)

Literatur